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Das ist ein Bild aus den sechziger
Jahren, als männliche Studenten noch Krawatten
trugen, nicht alle freilich, wie man sieht. Hierher, in
diesen kleinen Ort des "badischen Sibirien", hatte der
zweite von links sie zum Gespräch eingeladen, denn es
handelte sich um einen Kreis junger Leute, welche noch die
Zeit hatten, sich für das zu interessieren, was sie
studierten, wie der erste von rechts kürzlich
formuliert hat. Und es war, erinnere ich mich, eine
heftige Diskussion über Fachliches - aber wer konnte
das schon so genau unterscheiden von dem, um das es jedem
von uns ging: uns selber. Ein bisschen Narzismus ist ja zu
tolerieren, wenn dabei Standpunkte wissenschaftlich
geklärt werden. Und das haben einige aus der Gruppe
ihr Leben lang weiter betrieben. Der zweite von links,
zwei Jahre jünger als ich, ist nun nach langer
Krankheit gestorben, zu früh, denn er hätte noch
mehr zu sagen gewusst. Über die abgrundtiefe Dummheit
der gegenwärtigen Bildungspolitik, die bestenfalls
Prüfungsbesteher, aber keine Intelligenz mehr
erzeugt, wären wir uns gewiss einig gewesen. Wir hatten uns aus den Augen verloren. Dennoch trauere ich um ihn, der so vielen jungen Menschen die Welt aus seiner Sicht erklärt hat : Friedrich Kittler. |

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"Der klügste Deutsche"
- wer möchte nicht so genannt werden ? Dies
dachten sich clevere Show-Macher in Köln und
erfanden ein aufwendiges Konzept zur Ermittlung eben
jenes klügsten Deutschen, ein Konzept freilich,
das als Unterhaltungssendung gezeigt werden
könnte. Da wurden Hunderte im ganzen Land
"gecastet", in Achtel- und
Viertelfinal-Prüfungen vorsortiert, um
schließlich in einer Samstags-Show zu landen.
In allen Prüfungen waren etwas altbackene
Testformen aus dem Baukasten der kognitiven
Psychologie erfolgreich zu bestehen, mal mehr, mal
weniger medial aufgehübscht, damit der
eigentliche Zweck, die Unterhaltung des Zuschauers,
nicht verfehlt würde. Nun ist gegen
Unterhaltung nichts zu sagen : Die Römer hatten
ihre Morituri te salutant, das Spätmittelalter
und die frühe Neuzeit die Hexenverbrennungen,
und seitdem das ein bisschen aus der Mode gekommen
ist, gibt's die Quiz-Show.
Aber das reicht den Fernsehmachern nicht. Die Show muss wissenschaftlich zertifiziert sein. Wenn man schon nicht so recht sagen kann, worin Klugheit denn besteht, muss ein Professor durch seine Anwesenheit den Ernst der Lage bescheinigen. Diese Rolle übernahm ein gewisser Marcus Knorke (Name von der Redaktion geändert), der - hoffentlich für viel Geld - der Sendung den Anstrich des Seriösen zu verpassen hatte. Dass umgekehrt dieser Marcus Knorke die Seriosität, welche er der Sendung verlieh, für seine Person ein für alle Mal verspielt hat und nicht mehr zurückbekommt, ist peinsam, aber nicht zu vermeiden. Früher wären Wissenschaftler, die wissentlich bei einem solchen Quatsch mitgemacht hätten, aller ihrer Titel und Vorrechte entkleidet und von der Alma Mater vertrieben worden. Aber vielleicht ist das heute ja nicht mehr so. Vielleicht werden demnächst auch Professorenstellen durch eine telephonische Umfrage bei den Zuschauern besetzt, wie dies beim "klügsten Deutschen" der Fall war. |
| Sergueï : Voilà, on va
jouer à un jeu ... Dimitri : Un jeu ? Et c'est pour ça que tu m'as fait revenir ? Tu es fou, ma parole ! Segueï : Je ne te demande pas ton avis. On va faire ce que j'ai dit, un point c'est tout. Dimitri ramasse son sac. Il fait mine de repartir. Sergueï : Tu bouges pas d'ici. (Il se trourne vers Slava) Toi non plus. Donc on va jouer à un jeu. Celui du dernier survivant. Dimitri : Hein ? C'est quoi, ça ? Sergueï, posément : Je vais expliquer les règles. On a chacun une arme, on est donc à égalité. On va tirer à la courte paille. Le gagnant aura le droit de tuer les deux autres. |
Sergueï : Nun, wir werden ein
Spiel spielen. Dimitri : Ein Spiel? Dafür hast du mich zurückkommen lassen? Ich glaub, du bist verrückt. Sergueï : Ich frag dich nicht nach deiner Meinung. Hier wird gemacht, was ich saga, basta. Dimitri hebt seiner Sack auf. Er will gehen. Sergueï : Du bleibst hier. (Zu Slava) Du auch. Also, wir werden ein Spiel spielen. Das Spiel vom letzten, der überlebt. Dimitri : Wie? Was ist das? Sergueï (gelassen) : Ich erkläre die Regeln. Jeder von uns hat eine Waffe; wir sind also gleich. Und wir werden Streichhölzchen ziehen. Der Gewinner hat das Recht, die anderen beiden zu töten. |
| C'est
un peu le jeu de la grande politique que nous propose
Denis Émorine dans sa nouvelle pièce
«Après la bataille»
(Éditions du Gril, 2011). Trois soldats russes
ont survécu à une quelconque
bataille sanglante, se trouvent seuls sur le terrain
du massacre et manquent de nourriture. L'un d'eux a
vidé les poches des cadavres, mais son butin ne
suffira pas pour les trois. Voilà donc le
radeau de la Méduse qui génère la
dispute ci-dessus. L'idée de l'égalité ne mène pourtant pas à la conclusion qu'il faut penser «général» comme Kant aurait dit. C'est un peu le jeu de la grande politique, crise économique, crise écologique oblige. Nous sommes tous égaux et armés jusqu'aux dents pour achever ce que la guerre n'a pas fait. Ce n'est pas seulement la guerre qui est absurde - c'est notre incapacité de voir que nous sommes tous sur le même radeau.Et il commence à couler. Si on était solidaires, on pourrait se sauver peut-être, qui sait ? . Une petite pièce pour nous apporter une grande idée. |
Es
ist ein wenig das Spiel der großen Politik, das
uns Denis Émorine in seinem neuen Stück
"Nach der Schlacht" vorführt. Drei russische
Soldaten haben irgendeine blutige Schlacht
überlebt, befinden sich auf dem Feld des
Massakers und haben Hunger. Einer von ihnen hat die
Leichen geplündert, aber seine Beute reicht nicht
für alle drei. Das ist die (klassische) Sitation
der Schiffbrüchigen auf dem Floß der
Medusa. Sie bringt den Streit hervor, der im
Stück verhandelt wird. Die Idee der Gleichheit führt aber nicht zu dem Schluss, dass man "allgemein denken" müsse, wie Kant gesagt hätte. Das ist das Spiel der großen Politik in der Wirtschaftskrise, in der Klimakrise. Wir sind alle gleich und bis an die Zähne bewaffnet, um das zu vollenden, was der Krieg nicht erledigt hat. Nicht nur der Krieg ist absurd - unsere Unfähigkeit ist es einzusehen, dass wir alle auf dem gleichen Floß sind. Und es beginnt zu sinken. Mit Solidarität könnte man sich vielleicht retten, oder ? Ein kleines Stück, das eine große Idee mitbringt. |