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Gute Nachricht zu Jahresbeginn

Bonne nouvelle pour l'an 2008 : le travail créatif vous maintient en forme ! Les savants américains John Mirowsky et Catherine E. Ross ont prouvé par leurs recherches que le travail - même non-payé - vous protège et prolonge la vie. Heureusement, les Américains n'ont peur d'aucun sujet scientifique. Nous, dans la vieille Allemagne, nous nous demandons alors à quoi sert le nouveau bac central qui abolit toute créativité ...

Kreative Arbeit hält jung

Einen Beruf haben und arbeiten ist gesünder als Nichtstun. Man hat es geahnt. Aber jetzt ist es nachgewiesen : Die amerikanischen Soziologen John Mirowsky und Catherine E. Ross haben mit einer dreijährigen Befragung von über 2.500 Personen belegt, dass berufliche Arbeit jung hält, sogar Arbeit, die nicht bezahlt wird. Und dies umso mehr, wenn sie nicht Routine-Verrichtung, sondern kreativ ist. Bei einer zu 60 Prozent kreativen Tätigkeit bleibt man 6,7 Jahre jünger als bei einer Arbeit, die nur zu 40 Prozent kreativ ist.  Und man fühlt sich nicht nur jünger, sondern hat auch tatsächlich weniger gesundheitliche Probleme.

Da wird man doch nachdenklich. Das Bemühen der Schulpolitik in Nordrhein-Westfalen, den Zentral-Abiturienten jegliche Kreativität auszutreiben, (die kann man nämlich nicht mit einem vorgegebenem Antwort-Raster abtesten) und sie zu braven Nachbetern behördlicher Interpretationskünste zu machen, muss einen Grund haben. Quizfrage : Welches gesellschaftliche Problem wird dadurch wohl gelöst ?

Anbei die erschreckte Reaktion eines Schriftstellers auf die wissenschaftlich nicht zu begründende Regelung in den sprachlichen Fächern. Von den gesundheitlichen Spätfolgen konnte er noch nichts wissen.

Ein Blatt wie ein Prüfbogen vom Tüv. Oder, um das Zauberwort zu nennen: das Zentralabitur. Als Vater zweier Kinder darf ich momentan verfolgen, wie das Bemühen um die Gewährleistung einer weitestgehenden Kompatibilität von Lernerfolgen auch die geisteswissenschaftlichen Fächer erreicht. Auch die sind mittlerweile geprägt von der Tendenz, hin zum Zentralabitur all das zu unterlassen, was einer Individualisierung von Unterricht und Lernerfolgen Vorschub leisten könnte.
Ein Beispiel? Gerne: Mein Sohn schreibt eine Deutscharbeit und bekommt sie zurück mit einem eng bedruckten DIN-A4-Bogen, auf dem eine Vielzahl möglicher Teil- oder Detail-Interpretationen zu der Romanszene aufgeführt sind, die er in der Arbeit zu behandeln hatte. Mit Rotstift hat der Lehrer darin die Stellen markiert, an denen mein Sohn besonders nah an den Vorgaben war oder sie sogar genau getroffen hat. Das Blatt lag mir in der Hand wie der Prüfbogen vom Tüv. Was sagen wir dazu: Klasse! Denn so können die Schüler nicht nur genau sehen, welches Maß an „richtiger“ Interpretation sie geleistet haben; sie können überdies ihre eigenen Arbeiten mit denen anderer vergleichen und so das Zustandekommen der Note nachvollziehen.
Und was sage ich dazu? Ach, ich würde gerne auf ein Pult steigen und diese DIN-A4-Tüv-Bögen zerreißen. Eine Legitimation dafür habe ich nicht, das weiß ich. Das Verfahren ist „transparent“ und „gerecht“, es sichert „Vergleichbarkeit“ und „Objektivität“. Na logisch! Aber: Es wird dem Wesen all dessen nicht gerecht, was in den Geisteswissenschaften vermittelt und was von ihnen erstrebt wird. Gegenstand der Geisteswissenschaft sind die großen Akte eigenständigen Denkens und Empfindens – und genau dies soll den Betrachtern und Lesern nahegebracht werden. Was zur Folge hat, dass – na, logisch – die besten Ergebnisse einer solchen Anstrengung eben nicht so Tüv-mäßig zu beurteilen sind.

Burkhard Spinnen

Bravo, Burkhard Spinnen !

Was das Ministerium jedoch antreibt, ist nicht die Lust an der Transparenz, der Vergleichbarkeit und der Schein-Objektivität, sondern die administrative Ur-Angst vor dem Verlust der Kontrolle : Und die kann sich mit der Kreativität, dem Selberdenken des Kant'schen "Sapere aude" niemals abfinden.  Da schafft man doch lieber gleich die Aufklärung ab. Das hat man schon öfters versucht, auf Dauer allerdings vergeblich. Freilich braucht man in Deutschland immer eine besonders dicke Wand, vor den man den Karren der Bildung fahren kann. Man hat ihn plattgefahren, wenn noch mehr Väter wie Burkhard Spinnen merken, dass ihre Kinder auf der Schule nicht das Richtige lernen, nämlich selber zu denken.

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