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Bahnsteig
von Denis Emorine
Für Génia Jensen
 
Personen
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Laure Dujardin, neunzehn Jahre, blassblaues Kleid
Marek Smierc, fünfundvierig Jahre, grauer Anzug
Erster Reisender
Zweiter Reisender
Dritter Reisender
Der Angestellte
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Vorstadtbahnhof, ungefährt dreißig Kilometer von Paris. Brodelnde Geschäftigkeit. Aus unbekannten Gründen sind die Züge verspätet. Einige Reisende machen empörte Gesten, gehen auf dem Bahnsteig hin und her, schreien.
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Am anderen Ende des Bahnsteigs sind Laure und Marek, deutlich getrennt von den anderen; sie sind schweigsam. Die heftige Bewegung der Reisenden scheint ihnen völlig fremd.
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Erster Reisender: Schnauze voll!
Zweiter Reisender: Immer sind sie verspätet!
Dritter Reisender: Alles erschießen!
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Pause. Die drei Reisenden ziehen ihre Uhren zu Rate und seufzen.
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Erster Reisender: Das kann nicht wahr sein!
Zweiter Reisender: Vierzig Minuten Verspätung!
Dritter Reisender: Alles erschießen!

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Laure, ein wenig entfernt, bleibt teilnahmslos. Sie geht ein paar Schritte auf und ab. Sie sieht in die Ferne, gefesselt von irgendetwas oder in einer imaginären Welt befindlich. Sie sieht freudestrahlend aus. Marek ist hinter ihr. Er betrachtet sie aufmerksam und mit einer gewissen Zärtlichkeit, ein geheimnisvolles Lächeln auf den Lippen. Er scheint bewegt. Auch er kümmert sich nicht um die Aufregung der anderen Reisenden. Pause. Erneut Laute des Unwillens.

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Erster Reisender: Einfach unmöglich!

Zweiter Reisender: Fast eine Stunde Verspätung!

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Der dritte Reisende bleibt stumm. Die beiden anderen sind überrascht und werfen ihm einen erstaunten Blick zu. Alle drei sehen sich an und brüllen:

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Die Reisenden: Alles erschießen!!!

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Laure trällert vor sich hin, anscheinend ein Wiegenlied. Ein wenig verlegen, macht Marek ein paar Schritte auf sie zu. Er spricht sie sanft an, aber sie hört ihn nicht.

Er hebt die Hand, als wolle er jetzt sprechen, überlegt es sich... Endlich geht er auf sie zu, ist in ihrer Nähe...

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Marek: Mademoiselle?

Laure(dreht sich langsam um und sieht ihn erstaunt an. Mit weit entfernter Stimme): Ja?

Marek: Sie warten auch auf den Zug nach Paris?

Laure(zerstreut): Nein. Nicht wirklich...

Marek(erstaunt): Wohin denn dann?

Laure(lächelt ihn an): Nirgendwohin, ganz einfach. (Sie lacht.) Es ist doch einfach hierzubleiben! Finden Sie nicht?

Marek(lächelt zurück): Sicher. (Pause) Worauf warten Sie dann eigentlich?

Laure(überrascht): Auf Julien. (Pause) Auf Julien natürlich. 

Marek: Julien? Wer ist Julien?

Laure(strahlend): Julien? Mein Verlobter natürlich!

Marek(verlegen): Sie sind verlobt?

Laure: Ja. Was ist daran so merkwürdig?

Marek(Schatten im Auge): Nichts. Garnichts. (Pause) Aber Sie sind so jung! (Zögernd) Wie alt sind Sie, Mademoiselle?

Laure(fröhlich): Sie können mich Laure nennen. „Mademoiselle“, das ist viel zu feierlich für mich. Ich habe immer Lust zu lachen, wenn man mich „Mademoiselle“ nennt. Verstehen Sie das?

Marek: Wie alt sind Sie, Laure?

Laure(kokett): Was meinen Sie?

Marek(verlegen): Ich weiß nicht. Es fällt mir immer schwer, das Alter von Leuten zu erraten.

(Pause. Er sieht sie aufmerksam an.) Nun... weniger als zwanzig?

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Laure antwortet nicht. Sie kichert, als sie ihn ansieht.

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Marek: Also? Wie alt sind Sie?

Laure: Sie haben recht. Ich bin achtzehn. (Pause) Glaube ich.

Marek(erstaunt): Wieso: glaube ich? Was wollen Sie damit sagen?

Laure(weise): Die Jahre mit vielen Ereignissen vergehen so schnell. Andere zählen doppelt auf der Zeitschiene. Achtzehn Jahre, neunzehn Jahre... Ein Jahr mehr oder weniger... Was soll’s?

Marek(mit ein wenig Trauer in der Stimme): Das sagen Sie, weil Sie so jung sind. (Pause) Später ist es etwas anderes.

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Er unterbricht sich, als hätte er eine Dummheit gesagt.

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Laure: Glauben Sie? (Sie zeigt mit dem Finger auf ihn.) Und Sie, Herr Neugier, wie alt sind Sie?

Marek(mechanisch): Fünfundvierzig. (Pause) Glaube ich...

Laure(klatscht in die Hände): Sehen Sie? Sie auch!

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Marek antwortet nicht. Er scheint sorgenvoll und weit weg. 

Plötzlich hört man den Lautsprecher: „Alle Züge werden wegen technischer Probleme, die wir nicht verantworten, eine Stunde Verspätung haben. Wir bitten die Damen und Herren Fahrgäste unsere Entschuldigung anzunehmen. Alle Züge werden...“

Lebhafte Proteste der Reisenden.

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Erster Reisender: Unmöglich! Die machen sich über uns lustig!

Zweiter Reisender(hungrig): Wir könnten inzwischen ins Restaurant gehen, wie? Was meinen Sie? Das würde uns aufmuntern! Ist das eine Idee?

Dritter Reisender(wütend): Nein, bloß nicht! Und wenn der Zug gerade in der Zeit kommt, was dann? Nein, ich bleib hier. Machen Sie, was Sie wollen, ich rühre mich nicht vom Fleck!

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Laure und Marek, Seite an Seite, sehen vor sich hin. Einige Minuten vergehen. Dann ergreift Marek das Wort, nicht ohne Schwierigkeiten, scheint es.

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Marek: Mögen Sie Gedichte, Laure?

Laure(begeistert): Ja sehr! Besonders Apollinaire...

Marek: Das hätte ich nicht zu hoffen gewagt. (Er lächelt.) Kennen Sie ein Gedicht, das „Reise“ heißt? Es steht in den „Alcools“, glaube ich. (Er überlegt.) Nein, eher in den „Calligrammes“.

Laure: Nein, das sagt mir nichts. Kennen Sie es auswendig?

Marek: Nein, aber ich erinnere mich an zwei Verse. (Pause) Mal sehen, mir fällt’s wieder ein. (Er räuspert sich, um die Stimme zu klären und zitiert dann langsam und klar die Verse.)

„Wohin fährt denn der Zug, der in der Ferne stirbt,

In den Tälern und den kühlen Wäldern des zart-bleichen Sommers?“

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Pause. Marek wiederholt für sich selbst die Verse mit leiser Stimme. Er scheint in einen endlosen Traum versunken.

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Laure(nach einiger Zeit): Das ist ein Gelegenheitsgedicht! Ich mag besonders den „zart-bleichen Sommer“. Aber, das ist doch merkwürdig, warum: „der in der Ferne stirbt“ und warum nicht: „der in der Ferne verschwindet“ oder „der in der Ferne verblasst“? Ich mag nicht besonders den Gedanken an das endgültige Verschwinden.

Marek(lakonisch): Eine Metapher. Das Verschwinden und der Tod, das ist dasselbe...

Laure(fröhlich): Finstere Worte! Wenn der Tod überhaupt verschwinden ist. Verschwinden...

Marek(unterbricht): heißt nicht immer tot sein. Stimmt!

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Sie sehen sich an und platzen heraus.

Marek hat Lust, ihre Hände zu fassen, überlegt es sich jedoch. Langes Schweigen. Beide sind in Gedanken verloren. Man hört die gedämpften Stimmen der Reisenden. Es wird dunkler.

Marek beginnt erneut.

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Marek: Übrigens, wer ist Julien?

Laure(lächelnd): Ich habe es Ihnen schon gesagt. Der Mann, den ich liebe.

Marek: Das haben Sie nicht gesagt. Sie haben gesagt: „mein Verlobter“.

Laure: Na und?

Marek: Das ist nicht dasselbe!

Laure(überrascht): Aber sicher doch! 

Marek(sarkastisch): Wenn Sie das sagen... (Korrigiert sich.) Verzeihen Sie... (Pause) Merkwürdige Idee, sich in einem Bahnhof zu treffen. (Laure antwortet nicht.) Finden Sie nicht?

Laure: Überhaupt nicht.

Marek: Sagen wir, es ist sehr romantisch!

Laure(stark): Für uns ja. Der Bahnhof ist der Treffpunkt der Welt. All diese Leute, Seite an Seite, ohne sich zu sehen, ohne voneinander zu wissen, die unter anderen Umständen miteinander bekannt sein könnten... Diese ganze Aufregung scheint nutzlos und widersprüchlich, selbst wenn jeder einzelne gute Gründe für die Reise hat. Und dann: Ich liebe diesen Ausdruck, „Saal der verlorenen Schritte“. (Sie wiederholt.) „Saal der verlorenen Schritte“ – Julien und ich treffen uns immer in einem Bahnhof. Es ist jedesmal ein wenig das Gleiche: Herzklopfen, Hoffnung... Man glaubt, man habe ihn erspäht in der Flut der Reisenden, den auf den man gewartet hat, man stürzt nach vorne... und dann, nein, es ist ein Fremder, der ihm ähnelt! Aber das Gefühl stimmt. Man sagt sich: das nächste Mal wird er es sein! Und dann kommt er endlich! Er ist es, Julien! (Pause) Jedesmal ist es das Gleiche und doch etwas anderes. Hier... (Sie sieht sich um.) kann alles passieren, besonders – Liebe.

Marek: Bestimmt?

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Laure beugt den Kopf zum Zeichen der Bejahung. Marek scheint bewegt. Er möchte etwas sagen, wagt es aber nicht.

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Laure: Und Sie? Sie fahren nach Paris?

Marek(rätselhaft): Möglich... Ich weiß nicht wirklich. Weiß man je, wohin man geht? Und warum? Wissen Sie, ich wechsle den Ort ohne Grund, zufällig manchmal... Was bedeutet schon ein Ziel? Es ist so kompliziert. Ich mag den Zufall. (Ernsthaft) Ich verabscheue Situationen, bei denen schon alles durchgerechnet ist, in denen man trotzdem Spielball der Umstände ist, wo...

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Marek unterbricht sich plötzlich. Pause.

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Laure. Sie sind ein merkwürdiger Mensch.

Marek: Nein, ich glaube nicht. Ich bin da, das ist alles... Ich versuche es jedenfalls.

Laure(unterbricht): Das ist schon viel! (Marek schweigt.) Was machen Sie beruflich?

Marek(versteht nicht): Was?

Laure: Was ist Ihre Arbeit? Was tun Sie?

Marek(ärgerlich): Nun... ich sortiere.

Laure(überrascht): Sie spazieren? Ich habe Sie nicht verstanden. Was wollen Sie damit sagen?

Marek: Überhaupt nicht! Nein, ich sortiere. (Bitteres Lachen) Mit einem S am Anfang, wie „Schmerz“.

Laure(sanft): Oder wie „sanft“! Ja, ich habe verstanden. Sie sortieren... (fragend) Aber was ist das für eine Arbeit? Sortieren Sie Papiere? Sind Sie bei der Post?

Marek(verlegen): Nein, gar nicht. Das ist schwer zu erklären. Es ist kein häufiger Beruf. Ich weiß nie, was ich sagen soll, wenn man nach meinem Beruf fragt. Ich sortiere... hauptsächlich Gedanken. (Pause) Gedanken, ja, das ist es. Das ist alles. Ich habe Ihnen ja gesagt, es ist kein häufiger Beruf.

Laure(besteht nicht auf weiteren Erklärungen): Das kann man wohl sagen, Herr... Herr...

Marek: Smierc. Marek Smierc. Ich komme aus Polen. Nennen Sie mich einfach Marek.

Laure: Einverstanden mit Marek!

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In diesem Augenblick klingelt Laures Handy. Sie macht ein Zeichen der Entschuldigung und geht ein paar Schritte weg.

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Laure(glücklich): Julien! Ich war sicher! (Sie lächelt.) Ah ja, der Zug aus Paris! Ich weiß... Ich warte auf dich... Ja, Probleme auf der Strecke... (lächelnd) Wir haben das ganze Leben vor uns. (Marek sieht sie bewegt an.) Aber nicht doch! Nicht zum aufeinander warten! (Sie geht ein paar Schritte und lächelt zu Marek hinüber.) Nein, alles in Ordnung, ich warte doch. Ja... Bis später... Ja. Ja. Bis gleich!(zu Marek) Das war Julien!

Marek(lacht): Ich hätte gewettet!

Laure: Warten ist schön!

Marek: Wieso?

Laure: Aber ja! Ich warte gerne, besonders auf ein geliebtes Wesen. Die Gedanken schweifen, man ist irgendwo anders, und dann, ohne zu wissen warum, denkt man auf einmal an den Freund, den man ungeduldig erwartet. Ich mag dieses Hin und Her der Gedanken! Es ist gleichzeitig genau und verschwommen. Es ist sehr schwer, Gedankenbewegungen zu beschreiben! (Pause) Das genau gefällt mir, die Unmöglichkeit, Gefühle rational zu beschreiben. Das beruhigt!

Marek: Ein schöner Ausdruck, (Pause) das Hin und Her der Gedanken! (Er wiederholt melancholisch.) Das Hin und Her der Gedanken...

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Pause. Die Reisenden haben sich etwas beruhigt, zumindest scheint es so. Man hört sogar Gelächter. Der Lautsprecher kündigt erneut „eine unbestimmte Verspätung wegen unbekannter Ursache“ an. Explosion von Schreien: „Alles erschießen!“.

Laure und Marek sehen sich lächelnd an.

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Laure: Diese Aufregung scheint Sie nicht zu berühren. Sie haben es nicht eilig?

Marek: Ehrlich gesagt: nein. Niemand wartet auf mich, und ich warte auf niemanden. Jedenfalls nicht wirklich. (Pause) Sie kennen ihn seit langem?

Laure: Wen? Julien? (Marek nickt.) Seit immer.

Marek: Und Sie lieben ihn seit langem?

Laure(genauso): Seit immer.

Marek(gerührt): Und ... sind Sie glücklich?

Laure(genauso): Seit immer.

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Die drei Reisenden nähern sich entschlossen, ein Papier in der Hand.

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Dritter Reisender: Man macht sich über uns lustig! Wir werden ein Petition herumgehen lassen!

Zweiter Reisender(aggressiv): Jeder muss unterzeichnen! Das ist Pflicht! Keine Ausrede!

Erster Reisender(agressiv, zeigt auf Laure und Marek): Sie auch!

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Laure und Marek sehen sich an. Sie schütteln leicht den Kopf.

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Zweiter Reisender(verblüfft): Wie? Unglaublich! Sie wollen nicht unterzeichnen? (Er dreht sich zu den anderen.) He Leute, die wollen nicht unterschreiben!

Erster Reisender: Sie müssen! Das ist Pflicht! Keine Ausrede!

Dritter Reisender(drohend): Sie müssen unbedingt unterschreiben! Sie müssen solidarisch sein, oder Sie machen sich über uns lustig! (Pause) Finden Sie nicht?

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Laure und Marek antworten nicht. Sie scheinen abwesend. Sie sagen weder ja ja noch nein.

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Dritter Reisender(mit aggressivem Ton): Also? Wird’s bald? (Reicht ihnen einen Stift.) Unterschreiben Sie nun oder nicht?

Zweiter Reisender(konziliant): Unterschreiben Sie, machen Sie schon! Nur Mut! Was kostet das schon, eine kleine Unterschrift? Denken Sie doch mal an die anderen!

Erster Reisender: Sie müssen solidarisch sein! SOLIDARISCH!

Dritter Reisender: Wird das noch was oder wie? Na, wenn es Ihnen egal ist, wie lange Sie warten müssen, dass Sie Ihre Zeit so dämlich verlieren, wegen ein paar Trottel? Entschließen Sie sich endlich!

Laure(sanft): Man verliert nie seine Zeit.

Marek(sarkastisch): Die Zeit verliert eher uns.

Zweiter Reisender: Ohe! Das ist ein Klugscheißer, der da!

Erster Reisender: Gib’s auf!

Dritter Reisender: Kommt nicht in Frage! Das wäre zu einfach!

Erster Reisender: Geben wir’s auf. Zwei mehr oder weniger! (Spöttisch) Liebende sind ganz allein auf der Welt, das kennt man!

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Die drei Reisenden kirchern und sehen Laure unverschämt an. Im selben Augenblick, als wollte er Laure und Marek aus einer unangenehmen Situation retten, kündigt der Lautsprecher die Ankunft eines Zuges an: „Dieser Zug hält an allen Bahnhöfen bis Paris“. Explosion von Freude, Schreie der Reisenden, die ein wildes Tänzchen improvisieren. Man hört mehrmals: „Paris gehört uns!“. Laure und Marek scheinen dem ganzen Tumult gegenüber gleichgültig. Der Zug färt ein. Einige Reisende steigen aus, andere drängen hinein und rempeln andere an. Man hört weitere Schreie. Ein Bahnangestellter kommt. Laure sieht sich erstaunt um.

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Laure(zum Angestellten): Woher kommt dieser Zug?

Bahnangestellter: Aus Paris. In sieben Minuten fährt er wieder zurück.

Laure(strahlt): Er kommt aus Paris? Julien...

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Sie sieht in einige Abteile hinein. Niemand steigt mehr aus.

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Laure(hilflos, murmelt): Julien... Julien... Wo bist du?

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Der Bahnangestellte kommt zurück. Laure wendet sich an ihn.

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Laure: Monsieur...

Bahnangestellter(zerstreut): Ja?

Laure: Dieser Zug... Der kommt aus Paris? Sicher?

Bahnangestellter: Hab ich Ihnen doch soeben gesagt!

Laure: Jaja. Entschuldigen Sie... Ich warte auf jemanden und...

Bahnangestellter: Entschuldigen Sie, Mademoiselle. Ich habe keine Zeit. Ich muss meine Arbeit machen.

Laure: Warten Sie, eine Minute bitte! Und der nächste? Um wieviel Uhr kommt der nächste?

Bahnangestellter: In einer halben Stunde, Mademoiselle. (Zögert.) Das heißt... im Prinzip. Wenn alles wieder funktioniert. Es gab da ein Problem auf der Strecke, anscheinend. Ich weiß es nicht genau. Entschuldigen Sie.

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Der Bahnangestellte entfernt sich schnell. Pause. Der Zug fährt ab. Laure und Marek bleiben allein auf dem Bahnsteig. Sie lächelt schwach.

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Laure: Ja, also!

Marek: Nun also! (Zeigt auf den abfahrenden Zug.) Den sind wir los.

Laure(lacht): Sie übertreiben! (Blickt auf ihre Uhr.) Gut. Noch eine halbe Stunde, und Julien ist da, was für ein Glück!

Marek(verkrampft): Glauben Sie? Ich würde gerne... (unterbricht sich) ich würde Ihnen gerne sagen...

Laure(mit Gewissheit): Das ist sicher. Er wird kommen. Er hat den Zug verpasst, das ist alles. Das ist nicht schlimm. Wir werden inzwischen miteinander plaudern. (Nimmt seinen Arm.) Ich plaudere gerne mit Ihnen, wissen Sie das?

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Marek antwortet nicht. Er ist verlegen. Er öffnet den Mund, als wollte er etwas sagen, aber nichts kommt heraus. Pause. Er bekommt den Mund nicht auf.

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Laure(erstaunt): Geht’s gut? (Marek schweigt.) Geht es gut?

Marek: Wenn man so will...

Laure: Was ist mit Ihnen? Sagen Sie doch... Haben Sie Sorgen? Hätten Sie diesen Zug nehmen sollen?

Marek: Nein.

Laure(beinahe sprachlos): Ach so? Dann... erwarten Sie auch jemanden wie ich?

Marek (nervös): Nein. Ich habe Ihnen doch schon gesagt, dass ich niemanden erwarte. Ich erwarte nie jemanden.

Laure: Sicher? (Marek runzelt die Brauen.) Dann geht doch alles gut. (Zögernd) Dann... wozu warten Sie dann hier? Auf nichts?

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Marek antwortet nicht. Er betrachtet starr den Boden.

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Laure(besteht auf einer Antwort): Warum warten Sie hier? (zögernd)Mit mir?

Marek: Eben.

Laure: Was eben?

Marek(spricht sehr sanft, nimmt ihren Arm): Ich muss Ihnen sagen... Ich hätte Ihnen sagen sollen...

Laure: Was?

Marek: Ich hätte Sie warnen sollen... Ich muss Sie warnen. Noch ist Zeit. Ich bin der Bote, verstehen Sie? Der Bote.

Laure(zögernd): Was für ein Bote? Ich brauche keinen Boten. Ich verstehe nicht.

Marek(brüsk): Ich habe gesagt: „DER Bote“. Ich bin nicht irgendein Bote.

Laure: Ich verstehe Sie wirklich nicht. Jetzt machen Sie mir Angst. Sehen Sie mich doch nicht so an! (Schließt die Augen.) Lassen Sie mich allein jetzt, lassen Sie mich allein!

Marek: Sie sind allein. Man ist immer allein. Deshalb gibt es den Boten. (Pause) Manchmal...

Laure: Ich habe Sie satt, Sie und ihre rätselhaften Sprüche! (Schreit) Julien! Julien!

Marek(sehr sanft): Julien wird nicht kommen, Laure.(Sie antwortet nicht. Er nimmt ihren Arm.) Hören Sie, bitte! Julien wird nicht kommen!

Laure(laut): Was sagen Sie da? Wie? Das ist verrückt! Er wird da sein... (Sie sieht auf die Uhr.) ... in einer Viertelstunde. Ich liebe ihn! Er liebt mich! Er muss kommen! Nie hat er ein Treffen verpasst! Nie! Sie lügen!

Marek(sanft, mit Überredung): Ich bitte Sie, Laure, hören Sie auf mich. (Schreit) Laure! Julien kommt nicht mehr! Verstehen Sie mich?

Laure: Schweigen Sie! Sie lügen! Sie lügen! Ich will nichts mehr hören! Sie existieren nicht! Lassen Sie mich in Ruhe!

Marek(hilflos): Ich will Ihnen doch... ich wollte Sie vorbereiten. (Keine Antwort) Von Anfang an.. (Mit Leidenschaft) Sehen Sie mich an, ich bin der Bote, verstehen Sie?

Laure(sieht in hasserfüllt an): Gehen Sie! Lassen Sie mich in Ruhe! Ich kenne Sie nicht, Monsieur. Sie wollen mir weh tun. Sie sind verrückt...

Marek(schwach): Oh nein. Das wäre zu einfach. Und so grausam! Nein, die Wirklichkeit ist schlichter. Laure, hören Sie mich an, Julien...

Laure(unterbricht): Schweigen Sie! Lassen Sie mich oder ich rufe um Hilfe!

Marek: Zwecklos. Niemand wird kommen. (Er nimmt ihren Arm, sie befreit sich heftig.) Ich wollte Sie vorbereiten. Von Anfang an. Ich bin...

Laure(verächtlich): ... der Bote, ich weiß.

Marek(verzweifelt): Wie soll ich mich verständlich machen, Laure, kleine Laure? Wie Sie... Julien... (Pause) Julien ist...

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In diesem Augenblick hört man eine Stimme aus dem Lautsprecher: „Mademoiselle Laure Dujardin wird an Schalter 2 erwartet. Mademoiselle Laure Dujardin wird erwartet...“

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Laure(strahlend): Da sehen Sie! Es ist Julien, mein Julien! Ich bin Ihnen nicht böse. Auf Wiedersehen!

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Laure läuft davon. Marek scheint es nicht zu bemerken.

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Marek(stumpf, hat nicht bemerkt, dass Laure weggelaufen ist): Laure, Laure, hören Sie zu. Julien ist tot, tot. Er ist unter den Zug gekommen, unter den Zug, der aus Paris kam. Er liebte Sie so, Laure, schon immer... Er hatte es so eilig, Sie in die Arme zu nehmen. (Pause) Julien kam ein paar Minuten zu spät zum Bahnhof... Er wollte auf das Trittbrett springen, als der Zug schon fuhr, und da... (Marek schließt die Augen.) Er liebte Sie, Laure, wie er Sie liebte! Er ist ganz schnell gestorben. Schrecklich. Sein letzter Gedanke waren Sie, hören Sie? Sie allein! (Pause) Ich heiße Marek, Marek Smierc... Vielleicht wissen Sie das nicht, „Smierc“, das heißt auf Polnisch „Tod“. Der Tod... (Marek zittert, er scheint in Trance. Plötzlich fängt er an, polnisch zu sprechen, als delirierte er.) Mam na imie Marek Smierc... Po polsku znaczy to „smierc“. Przede wszystkim, prosze o tym nie zapominac.

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Pause. Im Hintergrund sieht man Laure, die zusammengebrochen ist, von zwei Männern gestützt, die sie fortführen und zu trösten versuchen. Marek bemerkt es nicht. Er fährt in demselben Ton fort.

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Marek(entrückt): Laure, sind Sie noch da? Kommen Sie nahe zu mir, bitte. Hören Sie? Nein, sagen Sie nichts... Seien Sie mir nicht böse, bitte. Ich bin der Bote, Laure, der Bote, vergessen Sie das nicht. Ich bin nicht dafür verantwortlich, für nichts... (Brüllend) Laure! Laure! Hören Sie! Antworten Sie! Ich heiße Marek, Marek Smierc. Der Tod, der Tod auf Polnisch. (Pause) Mam na imie Smierc... Po polsku znaczy to „smierc“. Przede Wszystkim, prosze o tym nie zapominac.

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Marek stößt unverständliche Worte aus. Von Zeit zu Zeit hört man Wörter wie „tot“, „Bote“, aber immer schwächer.

Der Abend bricht herein, der Bahnhof leert sich. Marek sitzt auf dem Bahnsteig, gestikuliert. Seine Stimme ist unhörbar.

In der Ferne hört man einen Zug, als führe er in den Bahnhof ein. Marek krümmt sich zusammen und hält sich die Ohren zu.

Er schreit, während das Licht verlischt.

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Vorhang
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«Sur le quai»
aus dem Französischen übersetzt von avw
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...Denis Emorine en classe (2005)
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LA PARURE
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Denis Emorine
 

Pour nous
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Venise enfin effleurait ses épaules, inondait son visage d'une fraîcheur bienfaisante. Elle humait cette fragrance issue de la ville et du lourd silence des canaux. Christine Delahaye se pénétra de la présence charnelle de Venise qu'elle avait adorée en rêve, et dont le mythe s'offrait à elle.

La place Saint-Marc, immense abreuvoir où va se désaltérer le troupeau humain, ne la retint pas. Christine n'ignorait pas pourtant qu'un privilège lui était accordé.

La façade du café Florian l'attira. Le Florian dont l'intérieur la happa soudainement. Prendre un espresso dans cet endroit relevait du rite quotidien... Après l'afflux touristique dû aux vacances de Pâques, le reflux l'avait réconciliée avec la ville un instant haïe.

Christine Delahaye s'était sentie trahie dans sa chair, dans sa passion pour la Venise aux reflets du chagrin et de la mort qu'elle savait partager avec une soeur de pierre et de liquide non moins vulnérable qu'elle.

Elle dégustait le café à petites gorgées; le verre d'eau traditionnel qui accompagnait le breuvage ne la quittait guère des yeux. Elle souriait au décor feutré dont le charme et la magie agissaient sur elle, irrésistiblement.

Du Florian,la Place Saint-Marc semblait une clairière immatérielle, égarée dans un monde grouillant qui ne la méritait plus.

Combien de nonchalants Christine avait-elle vu défiler, affalés dans ces noires et sveltes gondoles, le regard absent, comme si la beauté, enfin palpable, n'avait plus aucune prise sur eux ?

Christine était submergée par ce rêve aux contours définis par l'humain, entaché par lui.

En cette après-midi d'avril, l'air vibrait de bruits parasites, mais le Florian, à travers son voile magique, les absorbait, les estompait tous.

Et, même si se déroulaient inexorablement les jours, la pensée s'arrêtait en ce lieu, figée dans la pierre et l'eau également dormantes, à la fois soeurs et confidentes de l'hymen.

***

Déjà la nuit pénétrait Venise. Le mouvement et l'obscurité dansaient au rythme de Venise alanguie et de Christine, étroitement mêlées.

La ville et la nuit la possédaient du même geste.

Elle sentait leur souffle retenu et caressant. Toutes trois allaient des haleines différentes et complémentaires. Toutes trois s'inscrivaient dans le Récit qui avait précédé le voyage et que Christine, nouvelle Pénélope, tissait le jour pour le mieux défaire la nuit, afin de sauvegarder l'éternité du songe qui voilait la réalité.

Cette réalité n'avait rien défloré cependant. La nuit eût pu ébaucher des sensations contradictoires, Christine n'ignorait pas que la ville sait s'ouvrir à qui sait s'ouvrir à elle...

***

Elle sortit enfin. Il était peut-être vingt-trois heures. Ses pas la conduisaient vers le silence. Les ruelles frémissaient d'autres soupirs. Le mythe s'était fait chair, avait épousé les émotions de Christine.

L'air vibrait d'une chaleur inhabituelle. Aurait-elle succombé à quelque fièvre ? Elle ne grelottait pas pourtant, comme lorsque la fièvre vous livre au délire des sens...

Soudain la parole retentit en elle... Elle devait se laisser porter par le message dicté par sa volonté intérieure, hybride puisque Venise et Christine, dressées côte à côte, étaient une même chair.

Non... le pont de l'Académie assailli par la mouvance humaine ne la retiendrait pas. Christine s'engagea dans une petite ruelle à droite, tituba un très bref instant. En reprenant vers la gauche, elle parviendrait à un passage qui la conduirait au bord du Grand Canal.

Là, elle ne songerait pas à revenir en arrière. Deux grands murs, à droite et à gauche, livreraient un étroit passage à sa mesure.

La parole se fit pressante... Elle ôta la veste bleu-marine de ses épaules de plomb. Quelle entrave encore... Son chemisier paraissait défier la nuit d'une blancheur irréelle...

A sa gauche, elle pouvait distinguer le musée de l'Académie en sommeil. La bouche brûlante et décidée de la nuit couvrit ses épaules, son haleine se répandit dans le tissu fragile qui protégeait Christine. Elle comprit enfin...défit un à un les boutons. Le souffle la cherchait toujours, l'engageant à poursuivre l'ébauche. Le chemisier glissa dans l'eau qui se tendait vers elle.

Le buste marmoréen de la jeune femme illuminait la pierre. Christine se blottit contre cette enveloppe effritée, rongée en maints endroits par la maladie des siècles qui ne l'atteindrait plus.

Sa gorge s'ouvrait à l'étreinte de la nuit, s'abandonnait à un rythme séculaire.

Les longs cheveux blonds de Christine se détendirent, roulèrent sur les épaules. Elle haletait quelque peu. On eût dit la prêtresse de quelque culte secret.

La parole ne la quitterait pas. Ses chaussures si fines la gênaient. Elle défit la boucle. Le souffle s'engouffrait sous la jupe légère, révélant l'emprise bondissante.

Christine se laissait vaincre par la loi de l'espace et du temps. La jupe comprit l'appel de l'élément liquide qui s'ouvrait encore, prêt à la saisir. Elle glissa soudain, abandonnée, aux pieds de la jeune femme.

La nudité de Venise pressentie par Christine la débordait de toutes parts. Elle participait du même souffle que l'Histoire. Christine se mêla à la pierre révélée par le désir. L'entrave du tissu était défunte désormais; l'ombre riait sur son corps multiple , ce corps mis à nu par la ville.

La voix se tut. Christine savait que sa nudité se révélait une conquête.

Restaient les flots dont la chanson retentit. Guidée par le rêve, guidée par Venise au regard de pierre et d'eau, Christine descendit les degrés et lentement pénétra dans l'onde sourde qui ne la quittait pas des yeux.
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Publié avec l'aimable autorisation de l'auteur
Denis Emorine, geboren 1956, französischer Schriftsteller: Novellen, Gedichte, Theater. Denis Emorine lebt im Sundgau.
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DER SCHMUCK
 
Venedig berührte endlich ihre Schultern, überschwemmte ihr Gesicht mit wohltuender Frische. Sie sog den Duft ein, den die Stadt ausströmte, das schwere Schweigen der Kanäle. Christine Delahaye nahm die fleischliche Gegenwart Venedigs in sich auf, von der sie bewundernd geträumt hatte, einen Mythos, der sich ihr anbot.

Der Platz San Marco hielt sie nicht, diese ungeheure Tränke, wo sich die Menschenherde erfrischt. Aber Christine wusste, dass ihr ein Vorrecht gewährt war.

Die Fassade des Café Florian zog sie an. Das Florian, dessen Inneres sie plötzlich verschluckte. Dort einen Espresso zu trinken war nichts als alltägliche Gewohnheit... Nach der österlichen Touristenschwemme hatte sie die Ebbe wieder mit der Stadt versöhnt, die sie einen Augenblick lang gehasst hatte.

Christine Delahaye hatte sich im Innersten verraten gefühlt, in ihrer Leidenschaft für das Venedig mit dem Widerschein von Leid und Tod, den sie erspürte mit dieser Schwester aus Stein und Wasser, die ebenso verletzlich war wie sie.

Sie kostete den Café in kleinen Schlucken, ließ das traditionelle Glas Wasser nicht aus den Augen, welches das Gebräu begleitete. Und sie lächelte beim Anblick des gedämpften Ambiente, dessen Zauber, dessen Magie für sie unwiderstehlich war.

Das Florian, der Platz San Marco schienen eine stofflose Lichtung, verloren in einer wirbelnden Welt, die sie nicht mehr verdiente.

Wie viele Gleichgültige hatte Christine vorüberziehen sehen, hingegossen in diese schlanken, schwarzen Gondeln, mit leerem Blick, als hätte die endlich greifbare Schönheitheit keine Macht mehr über sie?

Christine wurde überschwemmt von diesem Traum mit menschlichen Umrissen, menschlichen Flecken.

An diesem Aprilnachmittag vibrierte die Luft von Knistern und Rauschen, aber das Florian, durch seinen magischen Schleier, dämpfte, verschluckte das Geräusch.

Wenn auch die Tage unerbittlich verströmten, stand der Gedanke hier still, Stein geworden und stehendes Gewässer, Schwestern beide und Zeugen der Vermählung.

*  *  *

Schon durchdrang die Nacht Venedig. Bewegung und Finsternis, Christine tanzten im Rhythmus eines erschlafften Venedig.

Die Stadt und die Nacht ergriffen mit einer Geste Besitz von ihr.

Sie spürte ihren sanften, zärtlichen  Hauch. Alle drei atmeten verschieden und doch zusammen. Alle drei schrieben sich ein in die ERZÄHLUNG, die der Reise vorangegangen war und die Christine, neue Penelope, des Tags webte, um sie nächtens wieder zu entflechten, damit sie den Traum ewig bewahren konnte, der die Wirklichkeit verschleierte.

Aber diese Wirklichkeit hatte nichts entweiht. Die Nacht hätte widersprüchliche Empfindungen hervorbringen können, doch Christine wusste, dass die Stadt sich dem öffnen kann, der sich ihr öffnet...

*  *  *

Endlich verließ sie das Café. Es war vielleicht schon elf Uhr. Ihre Schritte führten sie in die Stille. Die Gassen zitterten unter anderen Seufzern. Der Mythos war Fleisch geworden, hatte Christines Gefühle aufgenommen.

Die Luft vibrierte von ungewohnter Hitze. Sollte sie irgendein Fieber haben? Sie fröstelte jedoch nicht, wie wenn das Fieber einen dem Wahn der Sinne aussetzt.

Plötzlich erklang in ihr das Wort... Sie musste sich tragen lassen von dieser Botschaft, die ihr innerster Wille diktierte, ein hybrider Wille freilich, denn Christine und Venedig, Seite an Seite, waren ein Fleisch.

Nein, die Brücke der Akademie, von der Menschenherde bestürmt, würde sie nicht zurückhalten. Christine bog rechts in eine kleine Gasse ein, stolperte einen Augenblick. Wenn sie sich links hielt, würde sie in eine Passage gelangen, die zum Ufer des Großen Kanals führte.

Angekommen, würde sie nicht mehr zurückgehen. Zwei hohe Mauern rechts und links würden ihr passenden Durchlass gewähren.

Das Wort drängte. Sie nahm die Jacke von ihren bleiernen Schultern. Welch ein Hindernis. Ihre Bluse schien die Nacht mit unwirklicher Weiße herauszufordern.

Links konnte sie das Akademiemuseum schlafen sehen. Der heiße, entschlossene Mund der Nacht stülpte sich über ihre Schulter, ihr Atem verteilte sich in dem dünnen Stoff, der Christine schützte. Sie verstand endlich... öffnete einen nach dem anderen die Knöpfe. Der Atem verfolgte sie noch immer, hielt sie an, weiterzumachen. Die Bluse glitt ins Wasser, das sich vor ihr erstreckte.

Die marmorne Brust der jungen Frau erhellte den Stein. Christine presste sich an diese verwitterte Umhüllung, die an vielen Stellen von Krankheiten der Jahrhunderte angenagt war, Krankheiten, die sie nicht mehr befallen würden.

Ihre Brust öffnete sich der Umarmung der Nacht, überließ sich dem Jahrhunderte alten Rhythmus.

Die langen blonden Haare Christines lösten sich, fielen ihr auf die Schultern. Sie atmete stoßweise. Man hätte sie für die Priesterin eines Geheimkults halten können.

Das Wort würde sie nicht mehr verlassen. Ihre zierlichen Schuhe störten sie. Sie öffnete die Schnalle. Der Atem blies unter den leichten Rock, hob hüpfend den Saum.

Christine ließ sich gefangen nehmen vom Gesetz des Raums und der Zeit. Ihr Rock verstand den Ruf des nassen Elements, das sich öffnete, bereit ihn zu verschlingen. Er glitt plötzlich, losgelassen, zu Füßen der jungen Frau.

Die Nacktheit Venedigs, die Christine empfunden hatte, umgab sie von allen Seiten. Sie hatte Teil am gleichen Hauch der Geschichte. Christine drängte sich an den Stein, den die Leidenschaft geformt hatte. Das Hindernis des Stoffs war nun verschwunden; der Schatten lachte vielfach auf ihrem Körper, diesem von der Stadt entblößten Leib.

Die Stimme schwieg. Christine wusste, dass ihre Nacktheit eine Eroberung war.

Blieben die Fluten, ihr Gesang. Geleitet von dem Traum, geleitet von Venedig mit versteinertem Blick, geleitet von seinen Wassern, stieg Christine die Stufen hinunter und glitt langsam in die stumme Welle, die sie nicht aus den Augen ließ.
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Übersetzung aus dem Französischen: avw
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Denis Emorine, geboren 1956, französischer Schriftsteller: Novellen, Lyrik, Theater. Denis Emorine lebt im Sundgau.
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Denis Emorine, né en 1956, écrivain français. Écrit des nouvelles, des poèmes, des pièces de théâtre. Il vit près de Mulhouse.
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Lisons ce poème de Hans Magnus Enzensberger: «L'histoire des nuages» est à la fois une oeuvre savante faisant allusion aux poèmes didactiques classiques sur la nature et un texte plein de sagesse ironique. Avec ses poèmes («Landesprache», «Der Untergang der Titanic» par exemple), l'auteur prouve à chaque fois que la poésie, genre fatal pour la compabilité des maisons d'édition, est une littérature dont on ne saurait se passer. «La poésie tape sur les nerfs» comme l'a insinué Enzensberger? Qu'elle le fasse! Et de façon magistrale, comme dans «L'histoire des nuages». Que l'auteur nous pardonne cette belle traduction inofficielle, signe d'admiration et de gratitude.
Lecteurs, n'oubliez pas de passer chez votre libraire et de demander les livres de ce magicien de la poésie moderne.
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L’HISTOIRE DES NUAGES
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Hans Magnus Enzensberger
 
1
Qu’ils surgissent pendant la nuit
ou dans un ciel serein,
on peut difficilement affirmer
qu’ils naissent.
Qu’ils s’effacent imperceptiblement,
ils n’ont pas idée de la mort.
Leur fugacité est de toute façon sans égale.
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Ils montent solitaires, d’une blancheur majestueuse
dans un ciel bleu soyeux,
ou se pressent l’un contre l’autre
comme des animaux frigorifiés,
collectivement bêtes,
pour des catastrophes électriques,
grondant, fulgurant, impassibles
grêlant et se déversant.
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Puis à nouveau ils se pavanent
avec de vains artifices, se colorent,
imitant tout ce qui est solide.
Leur histoire est un jeu,
sans violence, plus vieille que la nôtre.
Ils n’ont pas besoin d’historiens,
ni de bourreaux ni de médecins,
ils font sans capitaines, sans batailles.
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Leurs promenades d’altitude
sont calmes, irrésistibles.
Rien ne leur fait souci.
Peut-être croient-ils à la résurrection,
sans pensées, heureux comme moi
qui les regarde un moment
couché sur le dos.
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2
Contre le stress, le chagrin, la jalousie, la dépression
il faut regarder les nuages.
Avec leurs bords d’or rouge dans le soir
ils dépassent Patinir et Tiepolo.
Les plus éphémères des chefs-d’œuvre,
plus difficiles à compter qu’un troupeau de rennes,
ne finissent pas au musée.
.
L’archéologie des nuages - une science
pour les anges. Oui, sans les nuages
tout ce qui vit mourrait.
Pas de feu sans eux, pas de lumière électrique.
Oui, il faut quand on est fatigué,
en colère ou au désespoir
tourner les yeux vers le ciel.
.
3
Le ciel bleu est bleu.
Avec ça on a tout dit
sur le ciel bleu.
.
Par contre chacun peut  déchiffrer
ces énigmes d’images volantes,
bien que la solution change continuellement.
.
Ils sont intouchables dans les couches plus hautes,
nébuleux. Et comme ils meurent doucement !
Il y a peu de choses aussi paisibles
.
ici bas. Les nuages n’ont pas peur
comme s’ils savaient
qu’ils reviendront toujours au monde.
.
4
Comme elle s’étire soyeusement, cette population
de cornes, de flocons et de voiles brillants,
comme ils se gonflent avec hâte, ces barres
ces  ballots, ces rouleaux, ces coupoles, ces tours,
comme à nouveau tout s’arrête, reste accroché des semaines,
gris et maussade - pas de progrès
dans l’évolution des nuages. Aucune trace
de lutte pour la vie! Une prise de poussière suffit,
un peu de sel ou de fumée. Alors ça étuve,
se décharge, ça lance des éclairs et ça neige.
Oui, elles mutent tout soudain, dans la nuit, ces créatures
pacifiques et imaginatives.
Des variations encore et encore, et malgré tout
tout reste comme avant.
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5
Mais ils peuvent aussi autrement.
Et alors, rageurs ou orgueilleux
ils se compactent et menacent
gros comme le poing. Tonnant d’un fiel noir
ils vomissent la vieille violence.
Soudain tout éclate, tonnerre,
éclair, eau et glace.
Alors surpris comme toujours dans notre lit,
nous fuyons sur les toits, claquant des dents,
l’enfant contre notre poitrine,
le canari dans la main,
attendant les sirènes, le bateau pneumatique,
le lointain bourdonnement de l’hélicoptère.
.
6
Leur réputation n’est pas la meilleure,
malheureusement.
On ne peut s’y fier, paraît-il.
Où ils commencent, où ils finissent
on ne le sait pas vraiment.
Cet éternel flottement, ce flou -
la thermique, le point de condensation et les turbulences -,
ce serait immensément  léger et vite périssable
.
D’ailleurs combien pèsent-ils?
Voilà la question.
Et puis qu’ils puissent vivre sans nous,
les nuages, mais pas nous sans eux,
cela déplaît. De lourds reproches
trop lourds peut-être
pour qui vit en flottant comme eux
.
7
Malheur à nous quand ils frissonnent!
Dans leurs entrailles invisibles
ils fabriquent cette chose blanche,
des myriades de dendrites, délicatement ramifiées,
glacées, chacune différente de l’autre
comme nous, pourtant parfaitement régulières.
.
Kepler n’avait pas de microscope,
mais il les connaissait,
il vit la structure de l’atome, devina
sa symétrie de rotation,
soixante degrés, calcula sa densité de matière: 
.
Cristaux sublimes. Ce qui est si fragile
si minuscule, incroyablement léger,
qui tombe sur nos têtes
et qui pendant que nous dormons,
enfouit sous son poids pesant des tonnes
des êtres qui respirent.
.
8
“Jamais la mer aérienne
ne laissera  le vrai naturaliste indifférent”
se dit un jour Mr Howard,
qui fabriquait ses pilules
sur le Tottenham Green,
soutien des instituts de bienfaisance,
adepte des Lumières
et chasseur de nuages,
il mit résolument de l’ordre
dans tout ce qui passait dans le ciel:
boucles de cheveux, stries et amoncellements,
il définit l’indéfini,
et le réduisit “comme on étiquette les objets”
Mais même avec des noms latins,
ils continuent à faire
ce qu’il veulent, les nuages,
aucun semblable à l’autre,
pupille de personne. Difficile
d’étiqueter le ciel. Ah, ce n’est pas forcément toi
brave Howard, à qui l’on doit
une lumière  parfois.
.
9
Puis à nouveau ils pèsent sur nous,
tenaces, pendant des semaines,
et nous ruminons dans leur ombre
qui, grisonnante, ne jette pas d’ombre,
maussades, jusqu’à ce qu’enfin
la couverture somnolente se déchire,
avec le fœhn, l’air brusquement s’électrise,
et nous nous précipitons dehors,
valsant dans le tumulte clair
de nos affaires, tandis que là-haut
les artistes du ciel, enfin réveillés
comme nous de leur apathie,
donnent leur spectacle gratuit.
.
10
Nous qui nous demandons peureusement
comment nous allons redescendre
de nos lourdes boîtes d’acier ridicules,
bourdonnantes de nervosité -
regardez en face ces nomades géants!
Ils avancent timides dans le désert, légers,
lentissimo maestoso,
au dessus du sol,
ils se laissent dériver, paisibles,
.
et parfois se rassemblent
pour des palabres silencieux.
Puis à nouveau se séparent,
et lentement s’évaporent en altitude,
jusqu’à ce qu’un seul petit
.
s’attarde tout seul dans le ciel
comme un souvenir nostalgique;
.
11
Ils n’ont pas de défauts.
Que l’un d’entre eux soit déformé,
personne ne peut l’affirmer.
Ce qui dégringole en une minute
sont des millions de grêlons,
dont chacun est parfait.
Pas un éclair qui ne ressemble à l’autre
et cela sans cerveau!
Sans cœur / chaleureux, pauvre / riche, bon / mauvais:
Des problèmes qui leur sont étrangers.
Typhons,  raz de marée,  grêle,
leur spectacle muet,
un désastre pour bien des hommes,
a un autre, tout autre aspect
si on le contemple du mont Ararat,
muet d’admiration.
.
12
Vous baissez les yeux une minute,
et déjà ils sont là, soudains, blancs,
florissants, mais peu solides -
un peu d’humidité là-haut,
quelque chose d’invisible, qui fond sur votre peau:
passage éclair d’une phase à l’autre - bel et bon.
Mais la physique des nuages
n’a pas non plus tout en main.
En cas de doute “on suppose”,
“on pense”. Nébuleuses,
ces biles de pluie, ces bandes tombantes,
ces colonnes de lumière, ces halos.
Seul le ciel  sait ce qu’ils font
Une espèce éphémère, mais plus vieille que la notre.
Une seule chose est sûre: c’est qu’ils nous survivront
de quelques millions d’années.
.
Traduction: Hélène Gozard


 

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Attention! Ne lisez pas le texte suivant sans avoir lu d'abord Sur le quai, pièce de Denis Emorine. Je lui ai enlevé la situation de départ et des personnages - sans qu'il se soit sérieusement fâché. Merci, Denis! Tous les défauts de la scène suivante sont évidemment de mon cru.
Procurez-vous donc:
Denis Emorine, Sur le quai. Théâtre. Postface de Chantal Danjou. Millau: Éditions associatives Clapàs, 2003. Vous trouverez la traduction de la pièce sur cette page.

avw
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SOUS LE QUAI
Conversations souterraines
 
 
 
          Passage souterrain d’une gare de province. Au fond, à droite et à gauche, deux escaliers mènent aux quais 2/3 et
          4/5. Les murs du passage sont tapissés d’affiches, par exemple :  «Venise, ville de vos rêves», «Détente à
          Saint-Brévin», et, curieux : «Partir, c’est mourir un peu. Adhérez au cercle des initiés.» Entre les deux escaliers, le
          stand d’un marchand ambulant avec le bric-à-brac d’habitude : fleurs artificielles, fausses montres, bouteilles de faux
          parfum, boules en plastique avec un paysage enneigé, un assortiment de Tours Eiffel. Pour passer le temps, le
          vendeur, assis sur un tabouret, a mis son petit poste de télé, on voit défiler des images d’un film quelconque, on
          entend, de temps à autre, un bout de musique. Le balayeur passe devant le stand.
          .
          BALAYEUR. Ça va pas fort, aujourd’hui, hein ?
          VENDEUR, grise mine. Non.
          BALAYEUR. C’est curieux. Il y a des jours où il ne se passe rien.
          VENDEUR. A qui le dites-vous ? D’ailleurs, c’est la troisième fois que vous me le demandez. Chaque fois que vous
          passez avec votre balai.
          BALAYEUR. C’est vrai. On ne peut pas avoir un trait d’esprit toutes les cinq minutes.
   .
   Il s’en va en balayant.
   .
          HAUT-PARLEUR. Attention, voyageurs sur le quai 5, le train en provenance de Paris et à destination de Marseille
          Saint-Charles entre en gare. Une minute d’arrêt.
          VENDEUR, se lève. Enfin !
   .
   On entend en effet un train qui freine, des portières qui s’ouvrent, qui se ferment. Le vendeur arrange sa
          marchandise. Un sifflement, le train repart. Il n’y a aucun voyageur qui descend l’escalier.
   .
          BALAYEUR, revient. C’est curieux ça. Qu’est-ce que je disais ? Il y a des jours…
          VENDEUR. Non, ce n’est pas étonnant. Qui voudrait s’arrêter dans cette ville de merde ? On s’ennuie à mort ici !
          BALAYEUR. Ah là, vous avez raison, Monsieur. Mais ne trouvez-vous pas étonnant que personne ne veuille partir
          aujourd’hui ? La gare est vide !
          VENDEUR. Bof, les gens d’ici se réveillent à midi seulement. A quoi bon se lever plus tôt ? Il n’y a rien qui se passe !
          BALAYEUR. Je passe, moi, avec mon balai. Le temps passe. Des trains passent.
          VENDEUR. Ne faites pas le malin, ça ne vous va pas. (Il se rassied.)
          BALAYEUR. Comme vous voulez.
   .
   Arrive le premier voyageur. Il vient du hall de la gare.
   .
          PREMIER VOYAGEUR. Alors, la grève est finie ?
          VENDEUR. Quelle grève ?
          PREMIER VOYAGEUR. J’ai entendu un train…
          BALAYEUR. Il y a toujours des trains…
          PREMIER VOYAGEUR. … en retard !
          VENDEUR. Et sans voyageurs.
          PREMIER VOYAGEUR. Non, non, c’est pas vrai. Ce matin, on a voulu partir, au moins une cinquantaine de personnes,
          mais on a pas pu, à cause de la grève.
          BALAYEUR. Ce n’était pas une grève. C’était parce qu’il y a eu un accident sur la ligne.
          VENDEUR. Circulation interrompue.
          BALAYEUR. Mais maintenant, ça roule.
          VENDEUR. Vous n’avez qu’à monter sur le quai.
          BALAYEUR. Vous pouvez partir quand vous voulez.
          PREMIER VOYAGEUR. Quand je veux ? Vous voulez rire !
   .
   Un train passe avec grand fracas. Le vendeur fait un geste comme s’il voulait dire : «Vous voyez ?» Mais
          évidemment le bruit assourdissant couvre toutes les voix. Après :
   .
          PREMIER VOYAGEUR. Il ne s’est même pas arrêté.
          VENDEUR. C’était un train de marchandises ; il passe toujours à cette heure.
          BALAYEUR. Vous ne voulez tout de même pas monter dans un train de marchandises, je suppose.
          PREMIER VOYAGEUR, rit . Non, pas vraiment.
          VENDEUR. Vous aimez le confort.
          PREMIER VOYAGEUR. C’est certain ! Bon, le train de Bordeaux, c’est quel quai ?
          BALAYEUR. Quatre, je crois.
          PREMIER VOYAGEUR. Je monte.
   .
   Arrive Laure Dujardin.
   .
          LAURE. Ne faites pas ça, Monsieur !
          PREMIER VOYAGEUR. Pourquoi ?
          LAURE. Parce qu’il est là-haut !
          PREMIER VOYAGEUR. Qui il ?
          LAURE. Lui !
          BALAYEUR. Oui, c’est vrai. Je l’ai vu. Il est toujours là, à attendre.
          PREMIER VOYAGEUR. Qui donc ?
          LAURE. Le messager !
          PREMIER VOYAGEUR. Quel messager ?
          BALAYEUR. Ce type polonais. Il ne parle pas français, paraît-il.
          LAURE. Si, si, mais pas toujours. Il m’a parlé français. Avec un drôle d’accent, je l’avoue…
          PREMIER VOYAGEUR. Qu’est-ce que ça me peut me faire ? Je veux enfin partir !
          VENDEUR. Pourquoi ?
          PREMIER VOYAGEUR. Je ne supporte plus cette ville !
          BALAYEUR. Qu’est-ce que vous voulez faire à Bordeaux ?
          PREMIER VOYAGEUR. Je dirais que c’est une chose qui ne vous regarde pas, mais sachez, Monsieur, que j’y vais
          pour changer de train.
          BALAYEUR. Changer de train ?
          PREMIER VOYAGEUR. Oui, je vais dans les Pyrénées, voir la neige.
         VENDEUR. Pourquoi se fatiguer, j’ai mieux que ça. Regardez.
   .
   Il lui montre une boule avec un paysage sous la neige.
   .
          VENDEUR. De cette façon, vous pouvez voir la neige quand vous voulez, même chez vous !
          LAURE. Je vous ai averti, Monsieur.
          PREMIER VOYAGEUR. De quoi ?
          LAURE. Il porte malheur !
          PREMIER VOYAGEUR. Qui ? Le type polonais ?
          LAURE. Il m’a annoncé la mort de mon fiancé.
          PREMIER VOYAGEUR. Et il est mort, votre fiancé ?
          LAURE. Oui.
          PREMIER VOYAGEUR. Ça me fait de la peine pour vous, mais ce sont des choses qui arrivent.
   .
   Laure commence à pleurer.
   .
          PREMIER VOYAGEUR. Et le type ? Vous croyez… ?
          LAURE. C’est le messager de la mort, vous dis-je !
          HAUT-PARLEUR. Attention quai 3, le train pour Venise entre en gare. Deux minutes d’arrêt, voitures de première classe
          à l’arrière du train.
   .
          Immédiatement après, bruit du train qui s’arrête. Claquement de portes, mais personne ne descend l’escalier. Sifflet,
          le train part.
          .
          VENDEUR. Vous voyez ? Encore personne qui descende.
          BALAYEUR. C’est bizarre.
          DEUXIÈME VOYAGEUR, qui arrive essoufflé. Il est déjà parti ?
          VENDEUR. Qui ça ?
          DEUXIÈME VOYAGEUR. Le train pour Venise !
          BALAYEUR. Il y a une minute.
          DEUXIÈME VOYAGEUR. Zut ! Ou les trains sont en retard ou moi.
          PREMIER VOYAGEUR. Peut-être que vous avez même eu de la chance. Il paraît que c’est dangereux de monter là-haut.
          Il y a un type polonais qui tue les voyageurs.
          DEUXIÈME VOYAGEUR. Comment ?
          PREMIER VOYAGEUR. Il les zigouille. Comme ça, simplement. Un sifflement, et vous êtes foutu.
          LAURE. Je n’ai pas dit ça.
          BALAYEUR. Moi, je balaie. Cela ne me concerne pas.
          DEUXIÈME VOYAGEUR. Vous balayez les cadavres ?
          BALAYEUR, bonhomme. Un balayeur balaie tout ce qu’il rencontre.
   .
   Un autre train passe la gare avec un bruit affreux.
   .
          PREMIER VOYAGEUR, au vendeur. Comment supportez-vous ce bruit permanent ?
          VENDEUR. On s’habitue à tout.
          DEUXIÈME VOYAGEUR. Moi, je pourrais pas. Et le type là-haut… Vous avez appelé la police ?
          BALAYEUR. Vous avez déjà vu des flics qui arrivent quand on en a besoin ?
          DEUXIÈME VOYAGEUR. Des flics qui ne s’occupent pas d’un tueur ! On aura tout vu !
          PREMIER VOYAGEUR. Vous avez tort. Quand on le leur livre, bien ligoté… Ils ne sont pas dingues, eux ! On devrait…
          LAURE. C’est vrai, j’aurais dû… Pourquoi n’ai-je pas appelé la police ?
          VENDEUR. Vous n’avez pas suivi. On vous dit que c’est pas la peine ! Dans cette ville, il faut se débrouiller tout seul.
          DEUXIÈME VOYAGEUR. Encore heureux qu’il ne vienne pas ici.
          PREMIER VOYAGEUR. D’accord, mais comme ça, on est coincés.
          VENDEUR. En attendant, si vous voulez, vous regardez la télé. Je ne vous demanderai qu’une petite participation aux
          frais.
          DEUXIÈME VENDEUR. Qu’est-ce que je ferais de votre télé ? Je voulais aller à Venise !
          VENDEUR. Pour le moment, c’est pas la meilleure idée, paraît-il.
          LAURE. J’aurais pu le sauver, peut-être.
          BALAYEUR. Faut que je continue.
          .
   Le balayeur s’en va en balayant. En ce moment, le troisième voyageur arrive, une valise à la main.
   .
          TROISIÈME VOYAGEUR. Qu’est-ce que je disais ? Il ne faut jamais se résigner – la pétition a eu un effet fulgurant, et on
          m’a assuré que la circulation des trains serait rétablie à l’instant.
          PREMIER VOYAGEUR. Oh, ça fonctionne déjà. Seulement…
          TROISIÈME VOYAGEUR. Quoi, seulement ?
          PREMIER VOYAGEUR. On ne peut pas monter sur le quai.
          TROISIÈME VOYAGEUR. Comment ça ?
          DEUXIÈME VOYAGEUR. Il y a un tueur polonais là-haut.
          TROISIÈME VOYAGEUR. Quoi ?
          DEUXIÈME VOYAGEUR. Oui, le balayeur a tout raconté. Il a déjà dû enlever deux cadavres…
          TROISIÈME VOYAGEUR, choqué. Oh ! On risque donc sa vie, dans une gare française ! Quel monde ! Je vais
          immédiatement…
          VENDEUR. Où ?
          TROISIÈME VOYAGEUR. A Paris ! Il faut alerter les autorités !
          VENDEUR. Vous voulez donc aller à Paris ! Monsieur, par hasard, j’ai là une jolie petite collection de Tours Eiffel, vous
          avez vu ? Différents modèles. Ça ne vous intéresse pas ? Pas cher du tout !
          TROISIÈME VOYAGEUR. Foutez-moi la paix avec vos Tours Eiffel. Je vais dire au ministre…
          VENDEUR. Oui, mais vous ne pouvez pas y aller.
   .
   Tout le monde se regarde.
   .
          TROISIÈME VOYAGEUR. Ben…
          PREMIER VOYAGEUR. J’aimerais savoir ce qu’il fait ici, le tueur, dans la gare de cette ville paisible.
          VENDEUR. Vous parlez ! Ville paisible ! C’est un bled, un trou de campagne, le désert ! On s’ennuie à mort.
          PREMIER VOYAGEUR. A propos mort, je répète ma question : pourquoi est-il venu ici ?
          LAURE, timide. Je crois que c’était à cause de moi.
          DEUXIÈME VOYAGEUR. Comment !
          LAURE. Il voulait me dire quelque chose ; je ne sais pas…
          TROISIÈME VOYAGEUR, agressif. C’est donc vous la responsable ! C’est à vous qu’on doit ce merdier !
          DEUXIÈME VOYAGEUR. Laissez tomber, Monsieur, elle n’y peut rien.
          TROISIÈME VOYAGEUR. Et vous la défendez en plus !
          DEUXIÈME VOYAGEUR. Mais Monsieur !
          TROISIÈME VOYAGEUR. C’est des types comme vous qui permettrent que notre France dépérisse ! Un Polonais !
          LAURE. Il s’appelle Smierc.
          TROISIÈME VOYAGEUR. C’est ce que je dis. On devrait mettre à la porte tous ces étrangers.
          LAURE. Et après ? Il s’appellera Monsieur Macchabé ou Monsieur Trépas. Vous pensez bien que le nom ne fait rien à
          l’affaire.
       .
   Le balayeur revient.
   .
          BALAYEUR. J’ai risqué un œil. Il est toujours sur le quai, sans bouger. On le dirait endormi.
          VENDEUR. Alors, vous pouvez y aller, messieurs.
          TROISIÈME VOYAGEUR. Je suis sûr qu’il fait semblant.
          DEUXIÈME VOYAGEUR. C’est une ruse.
          PREMIER VOYAGEUR. Un piège. Y aller ? Moi ? Certainement pas.
          DEUXIÈME VOYAGEUR. Moi ? Je ne suis pas fou.
          TROISIÈME VOYAGEUR. Moi ? Faudrait être con.
          BALAYEUR. Vous n’avez pas de chance. Vous devez attendre, alors.
         TROISIÈME VOYAGEUR. C’est injuste ! Je voulais partir, respirer l’air de la capitale !
         DEUXIÈME VOYAGEUR. C’est un scandale ! Je ne verrai jamais Venise !
          PREMIER VOYAGEUR. C’est inoui ! Je vais rater ma correspondance à Bordeaux. Bonjour, l’air de la montagne ! On
         étouffe ici !
          DEUXIÈME VOYAGEUR. C’est asphyxiant.
         TROISIÈME VOYAGEUR. Irrespirable.
          LAURE. Je n’attends plus grand-chose de la vie.
          HAUT-PARLEUR. Attention, quai 5, le train en provenance de Tarbes et à destination de Paris-Montparnasse entre en
          gare. Cinq minutes d’arr…
   .
   Tout de suite, un bruit assourdissant. Tout le monde se bouche les oreilles, s’accroupit. Quand le bruit a cessé :
   .
          BALAYEUR. Vous pouvez monter sur le quai, Monsieur. Partir ! Prendre le large ! La vraie vie !
          TROISIÈME VOYAGEUR. Non, j’attends. On attend tous. C'est chiant ici, mais on sait ce qu'on a!
   .
   Le groupe se fige.
   .
          .
                             Rideau
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Qu'est-ce qui s'est passé le 2 avril 1805? C'est la date de naissance de Hans Christian Andersen. Lui envoyer un petit salut ne serait pas mal... D'autant plus qu'il a écrit un petit conte qui porte le même titre que le conte de fée que voici.
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LA GOUTTE

Armin Volkmar Wernsing

 

CHAPITRE PREMIER

Oyez, oyez l'histoire de Genièvre et la sorcière! Du prince errant et du nain méchant! De la forêt ensorcelée et de la mer à boire! Maintenant vous ne savez rien de tout cela, mais après, on saura la vérité et lumière se fera. Oyez, clercs et serfs, maîtres et valets, ouvrez les oreilles et retenez chaque mot. Car ne vous dis rien que du vrai, du véridique et du certain.

Je commence donc. Il y avait, dans la grande ville de ..., une jeune fille à laquelle ses pauvres parents avaient donné le beau nom de Genièvre parce qu'ils n'avaient rien d'autre à lui donner. Son père était bûcheron et vous imaginez aisément que, avec un tel métier, dans une grande ville, ce n'est pas facile. Mais son père avait été bûcheron, son grand-père et son arrière-grand-père aussi, il n'avait jamais voulu apprendre un autre métier. Dans sa famille, on respectait les traditions. Par conséquent et fatalement, les hommes, à l'âge de trente-trois ans, commençaient à boire, et lui ne faisait pas exception, mais il avait développé un talent: au beau milieu de ses ivresses, il racontait de terribles historiettes de géants, d'ogres et de plantes carnivores qu'il prétendait avoir rencontrés autrefois dans la forêt; si bien qu'il en eut peur lui-même et dut être couché de force.

La mère de Genièvre avait été la plus belle fille du quartier, blonde et potelée; maintenant ses cheveux étaient devenus gris et le souci l'avait fait maigrir affreusement, de sorte qu'elle arrivait à se faufiler à travers la grille fermée du parc sans même se frotter les hanches. Avouez que c'était bien pratique en mainte occasion et que, sans elle, la petite famille aurait dû souffrir de faim et surtout de froid, car le père n'allait plus jamais dans la forêt pour y chercher du bois. La petite Genièvre ne pouvait donc pas prendre exemple sur son père, qui était un vrai fainéant, misère! Plus elle grandissait, davantage Genièvre ressemblait à sa mère, sauf que, évidemment, ses cheveux étaient du plus beau blond, ses yeux étaient d'un bleu profond, son nez très fin, ses seins étaient agréablement ronds: son corps commençait à montrer des formes féminines les plus heureuses. Avec sa jolie frimousse elle avait tout pour que les gens dans la rue se retournassent et passer la regardassent.

En plus, elle avait un caractère d'ange qui lui était venu de tante Mathilde, la soeur aînée de son père. Celle-ci avait eu une jeunesse mouvementée et, par la suite, une vie bien réglée. A l'âge de seize ans, elle était tombée amoureuse d'un jongleur du cirque qui passait régulièrement dans le village. Or, les brefs séjours du jongleur n'étaient pas restés sans conséquences, et Mathilde, se croyant enceinte, avait dû demander le secours de la sage-femme du lieu, une vieille affreusement laide et méprisée de tout le monde, mais qui connaissait des breuvages et recettes secrets à l'aide desquels Mathilde était sortie indemne de l'aventure. Dès ce jour, elle était devenue vertueuse, presque revêche et avait fermement refusé de se marier. Par contre, l'intérêt s'était éveillé en elle pour les tours de magie, les boissons miraculeuses et oracles innocents; pour se perfectionner, elle avait fait un stage chez une sorcière compétente de la forêt de Brocéliande. Ainsi était-elle devenue sorcière elle-même, voyante et guérisseuse, exerçant son aimable métier paisible au cinquième étage de l'immeuble où habitait le bûcheron avec sa famille.

Or, justement le jour de son dix-huitième anniversaire, Genièvre était chez sa tante, son père étant soûl au lit et sa mère  sortie pour quelque course, quand Mathilde lui dit:

«Il faudra penser à t'établir, Genièvre, à te créer un petit bonheur.»

Genièvre soupira car elle avait très souvent eu la même pensée sans jamais oser la réaliser sauf par des visites régulières chez l'épicier du coin à qui elle volait adroitement du chocolat - très peu à chaque fois afin qu'il ne le remarquât pas. Mais c'était si doux, si agréable, le goût du chocolat! Et sur le papier qui enrobait les friandises, il y avait de jolies images: des châteaux, des princes et des princesses se promenant dans des jardins magnifiques ou sur une barque le long d'un fleuve ombragé par des saules mélancoliques. En plus, le chocolat ne faisait pas mal comme l'eau-de-vie de papa! En fondant dans la bouche il laissait un long souvenir agréable et donnait une peau lisse sous laquelle jouaient les muscles qu'elle avait d'ailleurs bien développés, juste pas trop pour une fille.

«Tu ne peux pas rester éternellement avec un ivrogne et une pie voleuse, continua la tante. Tu dois partir, ma fille, voir le monde, te mettre à l'épreuve, faire du bien et trouver ta félicité.

- Ah oui, soupira Genièvre qui, à la vérité, s'ennuyait souvent et qui, en ce moment, voyait des paysages, des parcs somptueux peuplés de princes charmants vêtus de blanc et la mine ensoleillée.  - Seulement, sans maman, je ne me débrouillerai jamais! Elle est si douce, si sage! Que ferai-je sans elle! Elle me protège, et toi tu me conseilles, tante Mathilde. J'ai besoin de vous deux!

- En effet, dit la sorcière. Tu es innocente, ma petite, innocente et naïve. Tu n'es pas passée par la dure école de mes malheurs. Tiens, j'ai quelque chose pour toi.»

Et avec ces mots, elle sortit de l'armoire un gobelet minuscule en argent, pas plus grand qu'un dé à coudre.

«Regarde, dit-elle. Ce petit gobelet te protègera. A chaque fois que tu seras en danger, tu le sortiras de ta poche et il va se remplir lui-même d'une seule goutte d'eau qui tombera du ciel. Tu la boiras, elle te donnera du courage et tu seras sauvée... disons, la plupart du temps, car, de nos jours, rien n'est sûr. Garde-le bien, ne le perds pas.»

Genièvre était ravie. Non seulement, c'était un joli cadeau, mais encore un cadeau utile pendant les aventures qu'elle se promettait et dont elle avait peur.

«Qu'est-ce que tu attends, va-t-en!»

Nous sommes d'accord sur ce point et laissons partir la jeune Genièvre. Elle descend les cinq escaliers en catastrophe. Mais ne craignez rien! Cette histoire absolument véridique continuera! Nous nous retrouverons bientôt au bord de la mer pour voir ce que fit le prince charmant que Genièvre rencontrera infailliblement au cours du chapitre 3.
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CHAPITRE SECOND

Le prince regardait mélancoliquement la mer lasse qui commençait au pied du château délabré. Le marquis était sorti à cinq heures et le prince était donc seul dans la bibliothèque, pour faire semblant de réfléchir. Au fait, il était songeur, tout au plus, sans qu'une seule idée précise ne se formât dans sa tête. Des vagues qui se brisaient un peu plus loin, sur un banc de sable, l'occupaient assez avec leur mouvement monotone. Au loin, jusqu'à l'horizon, s'étendait, de plus en plus lisse, une mer grisâtre, comme une immense feuille de papier vide, sur laquelle il aurait fallu écrire quelque chose, une histoire quelconque. Le prince sentit bien, à un moment, que ce n'était pas lui qui écrirait cette histoire. Il se sentait vide, comme les volumes de la bibliothèque, collectionnés par les ancêtres, dont l'encre avait pâli au cours des siècles, dont les feuilles étaient vermoulues et dont les dos en cuir se brisaient dès qu'on y touchait. Il aurait aimé écrire la geste de sa vie, mais ça ne valait pas la peine et d'ailleurs, il avait tout oublié, son nom inclus. Ou on le lui avait volé, il ne se souvenait plus. Les gens du village l'appelaient «Prince» et c'était bien suffisant.

Qu'est-ce qui se passe quand rien ne se passe?

Oh, bien des choses! Les mouches qui bourdonnent dans la pièce, font leur travail incompréhensible en zigzaguant dans l'air; les vers continuent à ronger les pages des livres qu'ils connaîtront par coeur à la longue; la poussière qui a longtemps attendu peut enfin se déposer sur une étagère en espérant qu'elle restera là pour l'éternité - espoir douloureusement détrompé la plupart du temps - et dans la tête, des idées se marient à d'autres idées sans qu'on le remarque, tellement elles sont discrètes. Il suffit d'un petit déclic, d'un petit «tout à coup», d'un bruit presque imperceptible, pour se réveiller, étonné, pour voir que le monde a totalement changé entre-temps. C'est à faire peur!

Et s'il n'avait pas somnolé, le prince aurait eu peur. Car, dans son village au bord de la mer, c'était la noire misère. Depuis des années, la terre ingrate, les champs, faute d'eau, avaient refusé de porter fruit. Avec le temps qu'il faisait depuis des années, le ciel grisâtre restait sec, se fermait comme une cloche sur la région. Les bateaux des pêcheurs étaient tombés en ruine, les voiles se déchiraient dans un brusque coup de vent, les avirons se brisaient comme par magie. D'ailleurs, la pêche ne rapportait plus grand-chose, les poissons avertis évitaient cette côte inhospitalière. A quoi bon réparer? Le temps faisait son travail destructeur, lent, patient et efficace. Oui, s'il n'avait pas dormi les yeux ouverts, le prince se serait effrayé d'être le seigneur d'un village visiblement enchanté. Mais il ne sortait guère de son château qui se transformait doucement en monument du jadis, il ne voulait pas voir, il ne pouvait pas. De temps en temps, il envoyait le marquis fouiller les misérables cabanes de ses sujets pour y dénicher de quoi manger, comme aujourd'hui, par exemple.

«Par exemple! Qu'est-ce qu'il fout?»

Le prince s'était réveillé d'un coup. Ça ne pouvait pas rester comme ça. Il fallait faire quelque chose. Il fallait prendre une décision. Si au moins le marquis était rentré!

Le voilà qui traverse la cour. C'est un nain, gros, laid, avec une tête démesurée, et il porte un maigre faisan qui s'était égaré dans un champ en friche. On aurait une fricassée de faisan, c'était réconfortant. Le faisan n'était pas encore mort; le nain le tua avant d'entrer au château en flanquant la tête violemment contre le mur. Elle éclata avec un bruit sec. Les nains sont toujours méchants; méfiez-vous!

Plus tard, à table, ayant fini le repas, les deux étaient face à face, et le prince dit avec sa voix indolente:

«Marquis, j'ai décidé de quitter le château et de chercher aventure.

- Prince, c'est vous qui décidez, dit le nain. Je suppose que je vous accompagne?

- Naturellement, Marquis, vous êtes indispensable. Faites la vaisselle, rangez la cuisine, bridez les chevaux. Nous partons tout de suite.

- Où voulez-vous aller?

- N'importe où! Sait-on jamais où l'on va?»

Le nain, qui le savait, se tut.
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TROISIÈMEMENT

Revenons donc à la blonde et, comme dit Denis, forcément belle Genièvre, et écoutons ce qui lui arriva! Après avoir quitté l'immeuble, elle se trouva bientôt dans un bois qui portait le nom d'une ville du Nord. Elle s'étonna d'y voir beaucoup de jeunes garçons qui semblaient attendre quelque chose ou quelqu'un. Elle n'y prêta pas attention et continua tout droit. A chaque pas, la forêt devenait plus épaisse. Bientôt, elle ne sut plus où elle était et avança au gré du hasard. Les branches des buissons et des arbres frappaient son visage, les orties brûlaient ses jambes, de gros insectes semblaient viser ses yeux. Le pire était que les troncs d'arbres se rapprochaient de plus en plus, de sorte qu'elle avait souvent du mal à se faire un chemin dans la forêt carcérale. En effet, elle était bientôt arrivée à un endroit où il n'y avait presque plus d'espace entre les arbres, où il n'y avait aucune issue, où elle était prisonnière. Elle essaya de revenir sur ses pas: impossible de reculer. Tout l'art de sa mère - vous vous en souvenez? - n'aurait pas suffi pour la faire échapper. Elle s'assit, le dos contre un tronc d'arbre, pour se reposer et pour réfléchir.

Et cette forêt était vivante! On pouvait voir les feuilles qui se dépliaient, les branches qui s'allongeaient, se partageant, se multipliant, s'étendant vers elle, se mêlant à ses cheveux, l'herbe qui poussait, qui grandissait à vue d'oeil, envahissant l'espace qui restait encore. Chaque tronc d'arbre, à la hauteur de deux mètres, portait une inscription en lettres d'or: SORTIE. Cette végétation insolente, rétrécissant la place, semblait vouloir l'étrangler. Plus haut, c'était le vent qui s'en allait, indifférent, le ricanement des oiseaux qu'on ne voyait pas dans le feuillage qui se fermait, se fermait au-dessus d'elle.

«Faut pas paniquer, se dit Genièvre, je dois trouver une solution!»

Bien parlé. Mais la vie meurtrière qui l'entourait, qui l'encerclait, se moquait bien de ses résolutions. Monter sur un arbre? Impossible, les premières branches étaient trop faibles et les troncs trop lisses. S'endormir pour oublier, pour attendre que la situation menaçante change d'elle-même? Pas de chance, elle n'aurait pas pu dormir à la belle étoile, car il n'y avait pas d'étoile - elles étaient toutes cachées par le feuillage de plus en plus sombre. On n'y voyait goutte. Et le bois autour, qui continuait à pousser avec de petits craquements.

Je sens que vous perdez patience. Vous voulez lui crier: «Genièvre! Pense au gobelet! Prends-le! Bois la goutte qui te sauvera!» Merci de votre conseil. Vous avez raison. Mais la pauvre Genièvre ne peut pas vous entendre, enfermée dans sa prison vivante. Elle a oublié le gobelet, elle est perdue, j'en ai bien peur. «Mais non!, direz-vous. Toi tu as oublié quelque chose! Le prince avec son nain! Où sont-ils? Pourquoi ne sont-ils pas encore sur place?» Je le répète: je suis très reconnaissant que vous vouliez aider Genièvre. Mais réfléchissez donc: de la mer jusqu'ici, dans la forêt humide, ça fait bien quelques journées de voyage. Ils ne peuvent pas encore être arrivés, ils sont encore en rase campagne. Non, elle est perdue, vous dis-je, et c'est à devenir fou, à s'arracher les cheveux, à frapper la terre de rage!

Et c'est ce qu'elle fit, Genièvre. Et en frappant du pied, elle remarqua quelque chose de dur dans la terre molle, une résistance métallique. Se baissant, arrachant les herbes qui avaient atteint une belle hauteur, elle vit une plaque ronde en fonte: «Propriété de la ville de ...» lut-elle. Une bouche d'égout, peut-être. Elle souleva avec quelque peine le couvercle rouillé, mais dessous, il n'y avait pas de canalisation souterraine, pas d'entrée aux enfers, ci gisait un minuscule couteau en or ou doré, difficile à dire avec cette lumière tamisée par les arbres. Le couteau avait une certaine valeur sans doute, et quelqu'un l'avait perdu. Elle aurait dû le porter aux objets trouvés, mais qui pense à ses devoirs civiques dans une telle situation! Et de toute façon Genièvre était furieuse. Sans hésiter, elle prit, vola le couteau, elle l'enfonça dans l'arbre le plus proche, jusqu'à la poignée, simplement pour se venger.

Et le miracle se produisit. L'arbre pâlit, pour ainsi dire, l'écorce devint blanchâtre en tout cas, les feuilles séchèrent, s'enroulèrent, tombèrent, les branches descendirent, flagadas, et voilà que le grand arbre s'écroula, atteint au coeur. Douce vengeance, j'accueille tes délices! C'est l'issue, la liberté, la délivrance. Pas tout à fait. Car derrière cet arbre, il y en a d'autres, des milliers, que Genièvre doit abattre pour se frayer un chemin à travers la forêt. Ce fut un vrai massacre causé par la fureur dévastatrice de Genièvre et un tout petit couteau. Deux jours après, la jeune fille vit un rayon de lumière, et bientôt elle entra dans une vaste clairière.

Au beau milieu, il y avait une maison. Non, ce n'était pas la maison de l'ogre, mais une coquette petite villa d'un style un peu douteux. On pouvait espérer y trouver de quoi manger, car vous imaginez bien que Genièvre avait une faim de loup après ces deux jours passés dans la forêt. Jeune fille polie, elle frappa à la porte, mais personne ne répondit. Apparemment, la maison était déserte, malgré la lumière du premier étage. Elle ouvrit donc la porte et entra. Oui, oui, la porte grinça, comme il se doit. La poussière sur les meubles, des toiles d'araignées pendant du plafond: tout était comme d'habitude dans une maison hantée par quelque mauvais esprit. Sachant qu'elle avait un joli petit couteau en or qui la protègerait, Genièvre n'avait pas peur. Elle tâta la poche dans laquelle elle l'avait mis, elle était vide. Elle avait dû le perdre après le dernier arbre abattu. Néanmoins, sans trop de chagrin, elle continua la visite du rez-de-chaussée et entra dans la cuisine. Sur la table mise, il y avait une assiette rempli de coupures de gazettes avec des articles concernant des problèmes d'autrefois; elle arriva à les lire, mais c'était inintéressant et immangeable. Elle fouilla les placards, rien. Au salon, qui était encombré d'amoires, rien non plus. Et pourtant les portes avaient de jolies inscriptions comme «Bonheur éternel», «Douceurs», «Pain bénit». Chaque promesse non tenue augmenta en elle le sentiment d'un manque de plus en plus urgent. Depuis qu'elle était dans cette maison, Genièvre se sentait assez mal, malade.

Car, la faim, c'est comme ça:

Au début, vous ressentez le vide dans votre estomac qui, de temps en temps, se contracte douloureusement. Vous contrôlez mal les pets réitérés, si vous essayez, ça fait mal et vous donne des crampes à vous tordre. Quelques jours après, les spasmes se perdent et le sentiment de la faim disparaît peu à peu. Vous êtes assez fatigué, vous évitez les mouvements brusques, des efforts qui vous font haleter. Monter l'escalier, pour voir le premier étage, est une chose impossible. Mieux vaut rester en bas. Votre coeur bat irrégulièrement, vous avez souvent le vertige. Vous avez froid, vos muscles, même vos os vous font mal. Il est difficile de prendre une décision, de retenir une idée, de réfléchir: dans la tête, un tourbillon de pensées fugitives, d'images qui surgissent et disparaissent. Pendant des heures, vous avez un hoquet ridicule et dégradant, accompagné de crampes intestinales. Votre peau change d'aspect: elle est sèche, un peu jaunie, comme du papier froissé. Vos gencives commencent à saigner, inutile d'avaler, le sang coule toujours. Ce mot prend de l'importance: car vous ne dormez presque plus. Quand vous essayez de fermer les yeux, une brusque nausée vous réveille et vous vomissez de la bile. Le ventre s'arrondit, ballonne. Vous avez du mal à distinguer les meubles du salon qui s'obscurcit, devient noir. Vous n'avez personne avec qui parler, mais votre discours serait de toute façon de moins en moins compréhensible, vous n'arrivez plus à former, des phrases, des mots. Vient ensuite une grande euphorie, la dernière, car bientôt, vous allez mourir.

Heureusement, le prince et son nain arrivèrent à temps, exactement après la ligne 9 du paragraphe précédent. Le hasard les avait amenés là, dans cette villa déserte, dans laquelle une jeune fille crevait de faim. Elle était étendue par terre, presque sans conscience, quand le nain essaya de la réveiller, de lui insuffler sa respiration. Le prince, lui, pendant ce temps, regardait par la fenêtre, car il était un tout petit peu dégoûté par l'aspect de cette fille presque morte. Il n'aimait pas regarder la souffrance. En tâtonnant, le nain remarqua une petite bosse dans la poche de Genièvre, il en sortit le gobelet.

«Tiens! Qu'est-ce que c'est?»

Le prince qui vit l'objet en argent, fut immédiatement intéressé.

«Comme c'est drôle, dit le nain, il y a de l'eau dedans.»

Et par une inspiration venue on ne sait d'où, il fit boire la goutte à Genièvre. Elle se réveilla, regarda autour d'elle, et, sous l'influence de la goutte qui la rendait optimiste, elle tomba à l'instant amoureuse du prince. Ses joues prirent de la couleur, ses yeux commencèrent à étinceller, elle se sentit guérie tout en ayant grand appétit. Durant toute la journée, le nain leur apportait ce qu'il trouvait dans la forêt: des fraises du bois, des airelles, les girolles, des noix. Le soir, il était bien fatigué et nos deux tourteraux bien rassassiés. C'est alors, la bouche encore pleine, que le prince daigna présenter son compagnon:

«J'ai oublié... Marquis, mon nain.»

Marquis se plia en deux.

«Chérie, poursuivit le prince, maintenant que tu es rétablie, n'as-tu pas envie de visiter l'étage supérieur où il y aura sans doute les chambres?»

Qu'est-ce qu'on peut être bête quand on a dix-huit ans. Avant de monter l'escalier, le prince se retourna et s'adressa au nain:

«Tu pourras ranger un peu, mon cher. Regarde, toutes ces toiles d'araignées, ce n'est pas agréable... Et toi, chérie, ne veux-tu pas emporter ton petit gobelet charmant? Il sera en lieu de sûreté, en haut.»

Les voilà disparus. Le nain se mit à l'ouvrage, mais après deux heures, il se frotta les yeux, il ne tint plus debout, il s'endormit dans le fauteuil qu'il venait de nettoyer.
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CHAPITRE QUATRIÈME

Lecteur! Tu as le choix. Veux-tu:

- une fin optimiste?
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- une fin légèrement réaliste?

Choisis!
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CHAPITRE QUATRIÈME

(version optimiste)

La nuit fut un plein succès, et neuf mois après, Genièvre mit au monde un ravissant bébé, le premier de toute une série. Grâce à son gobelet, elle était toujours de bonne humeur et grâce à leur nain, ils n'eurent pas à souffrir de la faim. Avec l'âge, le prince perdit de ses cheveux et de son charme, mais Genevièvre ne le remarqua guère. Le nain, leur fidèle serviteur, s'ennuya un peu, mais ayant droit, de temps en temps, à quelques rares gouttes du liquide céleste, il s'aveugla sur son sort.

«Continuons», disait-il souvent.
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Lecteur, si tu trouves que ce n'est pas une fin bien intéressante, même un peu décevante, clique ici, pour refaire ton choix. Si tu es content, clique sur

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CHAPITRE QUATRIÈME

(version plus réaliste)

Au milieu de la nuit, Genièvre, piquée par un moustique, se réveilla et elle remarqua que la place à côté d'elle était vide. D'abord, elle pensa que son prince charmant était allé aux toilettes pour vomir un coup - car tel était l'effet de la goutte, qu'il avait avait essayée, lui aussi - mais le silence complet dans la maison lui apprit qu'il devait être parti. Comme elle le constata bientôt, le gobelet avait disparu. Ah, le voleur!

Genièvre décida de ne pas se laisser faire. Elle s'habilla, descendit et réveilla le nain qui, ayant bien dormi, avait poussé de quelques centimètres. Ensemble, ils se mirent à la poursuite. Le prince serait certainement rentré dans son pays. Il fallait donc faire le chemin à rebrousse poil. Et vite!

Marcher, courir, ne pas trébucher sur les racines, haleter, être fouetté par les branches d'arbres, courir encore, souffler un moment, se remettre en marche, s'arrêter une seconde, démarrer de nouveau, sauter, éviter les pierres, tomber, se relever, se hâter, ne pas perdre l'espoir, le visage rouge d'effort, prendre les jambes à son cou, perdre haleine, s'élancer, se précipiter, doubler le pas, suivre un sentier à travers la forêt vierge, ralentir essoufflé -

ils étaient arrivés devant une petite mare au milieu de la forêt. Mais il n'y avait personne. Pas de prince. Seule une grenouille, surprise par leur apparition subite, émit un petit coassement et sauta dans l'eau.

«Ici, il n'y a rien, dit le nain. Il faut continuer notre chemin.»

L'exercice l'avait transformé. Il était presque aussi grand que Genièvre.

«Continuer où?, demanda la jeune fille.

- Rentrons. Ton prince est mort. Et nous, nous avons assez à faire. Il faudra remettre de l'ordre dans tout cela!

- Tout cela?

- Mon pays à moi. Il nous attend ou pas. N'importe. Allons-y.

- Et mon gobelet?

- Il est peut-être dans la mare, couvert de vase. On ne le retrouvera plus.»

Genièvre, en ce moment, le trouva assez sympathique, malgré sa déception. Elle se dit que, être en vie, ce n'était pas mal, après tout. Ainsi, les deux s'en vont, disparaissent derrière le prochain buisson, et nous les perdons de vue. Le vent souffle, les nuages s'en vont, les étoiles s'allument, suivent leur chemin et s'éteignent à jamais. Nous nous disons que finalement, raconter des histoires, ce n'est pas une mauvaise chose et tant qu'on raconte, on est encore en vie! Remercions donc Monsieur K. qui a fêté le printemps et nous a donné l'idée de «La Goutte»!

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EXERCICE DE TRADUCTION
Pour D.F., ami des langues et de la musique
 
 
Ça tonne, mugit, hurle, chuinte, siffle, gronde, tinte, bourdonne, tape, coasse, gémit, chante, claque, crépite, cliquette, grogne, gargouille, tapage, geint, vagit, susurre, froufroute, murmure, craque, glougloute, râle, sonne, souffle, ronfle, chuchotte, halète, ça bout; crier, pleurer, sangloter, croasser, bégayer, balbutier, roucouler, tinter, beugler, hennir, grincer, jaillir, gratter. Ces mots et d'autres encore qui expriment les sons ne sont pas seulement des signes, mais une sorte d'écriture figurative pour l'oreille.
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Georg Christoph Lichtenberg

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ILS SONT APPARUS...
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Denis Emorine
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Ce poème a reçu le premier prix du Concours International Féile Filochta, Dublin 2004
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A Armin Volkmar Wernsing
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Ils sont apparus à la tombée du jour. Dans leurs yeux, on voyait la terre s'entrouvrir et le feu danser sur les morts. Ils ne regardaient personne en face et surtout pas l'enfant qui s'évanouissait à leur approche. Ils étaient silencieux devant l'innocence puisqu'ils l'avaient dévastée de leur plein gré. Lorsque tu as tendu le doigt vers le ciel, ils ont détourné les yeux en serrant leurs armes. Nul ne savait d'où ils venaient ni où ils allaient. Ils auraient voulu se blottir au creux du monde mais la place était déjà prise par les morts.
Ils ont traversé le village sans regarder en arrière. L'oubli était leur unique certitude mais je ne suis pas certain qu'ils l'aient trouvé.
Même sous la cendre.
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Peu à peu ils ont désappris les battements du jour.
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Sie erschienen, als der Tag sich neigte. In ihren Augen sah man die Erde sich auftun und Feuer tanzen über den Toten. Sie sahen niemandem ins Gesicht, besonders nicht dem Kind, das bei ihrer Annäherung ohnmächtig wurde. Sie waren still vor der Unschuld, die sie freiwillig verwüstet hatten. Als du den Finger zum Himmel recktest, wandten sie die Augen ab und hielten ihre Waffen fester. Niemand wusste, woher sie kamen noch wohin sie gingen. Sie hätten sich in die Höhlung der Welt schmiegen wollen, aber die Toten hatten den Platz schon eingenommen.
Sie zogen durch das Dorf, ohne zurückzublicken. Das Vergessen war ihre einzige Gewissheit, aber ich bin nicht sicher, ob sie es gefunden haben.
Sogar unter der Asche nicht.
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Allmählich haben sie den Flügelschlag des Tags verlernt.

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DENIS EMORINE, [SANS TITRE]
 

Tu hésites parfois, face à l'horizon,
les mains vides de mots
ils sont partis ailleurs réjouir une autre terre
ou trahir une cause lointaine,
qui sait?...
Toi, tu t' essouffles à les regarder s' effacer,
les mains crispées sur d'autres vides
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Tes yeux se brouillent à trop vouloir
redresser les sillons de ta vie.
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Du zögerst manchmal vor dem Horizont,
die Worte sind aus deinen Händen
sie sind woanders, eine andre Erde beglücken
vielleicht Verräter einer fernen Sache,
wer weiß ...
Erschöpft siehst du sie verblassen,
die Hände über neuer Leere verkrampft
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Deine Augen trüben sich, zu sehr willst du
die Furchen deines Lebens glätten.
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